Georg Brunold

Ein Haus bauen

Besuche auf fünf Kontinenten
Cover: Ein Haus bauen
Die Andere Bibliothek/Eichborn, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783821845708
Gebunden, 349 Seiten, 28,50 EUR

Klappentext

In den vergangenen zehn Jahren war der Reporter Georg Brunold auf allen Kontinenten unterwegs: im Fernen Osten wie im Vorderen Asien, in Amerika, in Arabien und immer wieder in Afrika, aber auch in Kalabrien, an der Moldau und im Emmental, auf Neuseeland und in der Karibik. In seinen Reportagen schärft Brunold den Sinn für die Gemeinsamkeit aller Erdbewohner: dass nämlich keiner recht weiß, wer er ist. Denn bemühen sie sich nicht alle unentwegt darum, ihre Lage zu verbessern und dadurch selber andere zu werden? So bauen wir alle an unserer kleinen und großen Welt, mit- und gegeneinander, um uns darin einzunisten, oft um den Preis, andere daraus zu vertreiben. Der Leser ist mit vor Ort und denkt vor Ort: am Grab im Reisfeld bei Vietnams Ahnen, mit Eva unter dem haitianischen Apfelbaum oder auch mit Philip Roth in seinem Kinderzimmer an der Summit Avenue 81, Vorstadt Weequahic, Newark.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.08.2006

Franziska Sperr scheint mit diesem Sammelband, dessen Reportagen zu verschiedensten Themen Kontinente überqueren, ihre liebe Mühe gehabt zu haben. Sie beschreibt den Autor Georg Brunold als Journalist der alten Schule, der sich in diesen Texten aus den vergangenen zehn Jahren gründlich, nachdenklich und mitunter historisch weit zurück greifend den unterschiedlichsten Themenbereichen widmet. Neben durchaus zeitlosen Berichten, wie dem Text über die Einwohner von San Giovanni, der einen Blick für Kurioses öffnet, stört sich die Rezensentin aber an Reportagen, die mittlerweile von der Geschichte überholt wurden, und hier hätte sich Sperr durchaus eine Überarbeitung der Texte gewünscht. Mit Texten wie dem über die Sonne, in dem die Leser mit Zahlen und Fakten traktiert werden, oder einem Querschnitt durch die europäische Ideengeschichte fühlt sich die Rezensentin etwas überstrapaziert, und überhaupt scheint sie sich nach etwas mehr Leichtigkeit und Humor in diesen Reportagen gesehnt zu haben.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.06.2006

Rezensentin Bettina Gaus bescheinigt Georg Brunolds gesammelten Reportagen aus fünf Kontinenten Schwächen auf hohem journalistischen Niveau, die sie dann wiederum zu Stärken umdeutet. Zunächst einmal findet sie es verwunderlich, dass sich der ausgewiesene Nahost- und Afrikaspezialist Brunold in einem Essay aus dem Jahre 2002 so sehr in seiner Einschätzung des bevorstehenden Irak-Krieges (den er vorsichtig befürwortete) irren konnte. Jedenfalls findet Gaus, dass es ein Irrtum war. Andererseits jedoch bewundert sie Brunolds "intellektuelle Redlichkeit", die ihn diesen Essay ohne Beschönigung und sozusagen dokumentarisch in die vorliegende Sammlung mitaufnehmen ließ. Darüber hinaus kann die Rezensentin nicht ganz verstehen, warum Brunold auch Europa, Asien und Amerika in seine Überlegungen miteinbezieht. Denn was diese beiden Kontinente angeht, könne er die Haltung, die er im Vorwort für jeden Reporter umschreibe - "zweifeln, staunen und verwundert sein" - nicht einnehmen. Hier wirke sein Interesse etwas bemüht. Dennoch bleibe er, wie die Rezensentin einräumt, stets fair, ohne in die Falle der Neutralität zu tappen. Brunolds Reportagen, so das Fazit der Rezensentin, sind nicht zuletzt auch insofern als Ganzes lesenswert, als ihnen immer die fundamentale Frage nach der Identität zugrundeliege.