Am Anfang stand die Faszination von Altern und Sterblichkeit. Mit der Präzision des Physikers hat Geoffrey West die Frage, warum wir so lange leben, wie wir leben, und nicht länger, zu beantworten versucht. Das Ergebnis war erstaunlich: West entdeckte, dass trotz bestehender Unterschiede alle Säugetiere skalierte Versionen voneinander sind. Kennt man die Größe eines Säugetiers, so kann man vom täglichen Nahrungsverbrauch über die Dauer des Reifungsprozesses bis hin zur Lebensspanne alles herausbekommen, was man über das betreffende Tier wissen will. Seine für die Biologie bahnbrechende Forschung hat West auf andere Felder angewendet, insbesondere auf Städte und Unternehmen. In "Scale" schlägt er vor, einige der großen Probleme, mit denen wir ringen - von der rasanten Verstädterung, dem Bevölkerungswachstum bis zum Verständnis von Krebs sowie den Ursachen von Altern und Tod -, auf der Basis eines ganzheitlichen Ansatzes anzugehen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 25.09.2019
Susanne Billig ist nicht überzeugt von dem Ansinnen des Physikers Geoffrey West, das Wachstum von Städten mit biologischen Prozessen zu erklären. West hat herausgefunden, dass Organismen systematisch skalieren: Wenn sie sich in der Größe verdoppeln, steigert sich ihr Stoffwechsel nur um 75 Prozent. Das gelte für Städte ebenso wie für Lebewesen. Billig hat zwei Probleme mit dieser Berechnung: Zum einen gebe es auch noch eine andere Skalierung von 115 Prozent, nach der sich in Städten mit verdoppelter Einwohnerzahl die Löhne, Wohlstand, Stress und Kriminalität eben mehr als verdoppeln. Aber noch grundsätzlicher ist ihr Einwand, dass Nachhaltigkeit ein Problem des politischen Willens ist, nicht das einer "zahlakrobatischen Welformel".
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