Herausgegeben von Peter Dabrock, Ruth Denkhaus und Stephan Schaede. Die Gattungsbestimmung stellt die Gesellschaft im Kontext biotechnologischer Entwicklungen immer wieder vor neue ethische, rechtliche und soziale Herausforderungen. Scheinbar längst geklärte Probleme tauchen neu auf, und konsensfähige Annahmen werden brüchig. So hat sich in weiten Teilen der akademischen Bioethik die Auffassung durchgesetzt, dass dem biologischen Menschsein als solchem keine moralische Bedeutung zukommt. Auf der anderen Seite ist in jüngster Zeit die Forderung nach einer eigenen Gattungsethik erhoben worden. Mit diesem Programm verbinden sich freilich eine Reihe von konzeptuellen und argumentativen Schwierigkeiten. Der vorliegende Band geht der Gattungsbestimmung aus der Perspektive von Biologie, Philosophie, Recht, Theologie, Soziologie und Kulturwissenschaften nach, um ihre deskriptive und normative Erschließungskraft auf den Prüfstand zu stellen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.12.2011
Michael Pawlik hat sich detailliert und mit Interesse der Fragestellung gewidmet, was die Menschen zu Mitgliedern einer Gattung macht, wobei ihn die Beiträge des Sammelbandes oft Anlass zum Einspruch bieten. So lässt er weder Winfried Härles Auslassungen zur "Menschenfamilie", noch Peter Dabrocks Versuch einer begrifflichen Erfassung dieser These unwidersprochen und zeigt die Schwierigkeiten und Schwächen dieser Argumentation auf. Markus Rothhaars "anerkennungstheoretischer" Versuch, die "Menschenfamilie" auf eine philosophische Grundlage zu stellen, findet Pawlik ebenfalls nicht wasserdicht und sieht auch hier einen "Kategorienfehler" am Werk. Bei allen Problemen, der These von der "Menschenfamilie" konkrete Gültigkeit zu verleihen, findet der Rezensent aber diesen Sammelband dennoch erhellend und anregend.
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