Gael Faye

Kleines Land

Roman
Cover: Kleines Land
Piper Verlag, München 2017
ISBN 9783492058384
Gebunden, 224 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Brigitte Große und Andrea Alvermann. "Bevor all das geschah, von dem ich hier erzählen werde, gab es nur das Glück, das nicht erklärt werden musste. Wenn man mich fragte, wie geht es dir, habe ich geantwortet: gut." Damals traf sich Gabriel mit seinen Freunden auf der Straße, erlebte seine Kindheit wie in einem paradiesischen Kokon. Bis seine Familie zerbrach und fast zur selben Zeit sein kleines Land, Burundi, bei einem Militärputsch unvorstellbare Grausamkeiten erdulden musste. Und seine Mutter den Verstand verlor. Zwanzig Jahre später erst, nach der Flucht mit seiner Schwester in ein fernes, fremdes Frankreich, kehrt Gabriel in eine Welt zurück, die er längst verschwunden glaubte. Doch er findet dort etwas wieder, das er für unwiederbringlich verloren hielt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.10.2017

Schon als Rapper hat Gael Faye die Franzosen betört, als er auf seinem Album "Pili Pili sur un croissant au beurre", Sehnsucht und Projektion miteinander verbindend, die Brücke zwischen Paris und Bujumbura schlug. Ein Song hieß "Petit Pays". In seinem Roman, scheint es dem Rezensenten Alex Rühle zunächst, macht Faye einfach weiter: Er erzählt zunächst von seiner Kindheit in Burundi, von den paradiesischen Orten der Kindheit und der Schönheit der afrikanischen Frauen. Aber dann, betont Rühle, ändert sich die Tonlage. Die Spiele der Kinder werden aggressiver, die Form der Nase wird wichtiger, der Mutter wird es zunehmend unheimlich, einzelne Pogrome kündigen den bevorstehenden Völkermord der Hutu an den Tutsi an, die Kinder werden nach Paris verfrachtet. Rühle liest mit großer Sympathie, wie Faye hier Kindheit und Heimat neu zusammensetzt.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.10.2017

Vom "verlorenen Paradies" wollte der Rapper und neuerdings auch Schriftsteller Gael Faye erzählen, was ihm, wenn man Rezensentin Morgane Llanque recht versteht, auch gelungen ist und zwar auf sehr eindrückliche Weise. Die Geschichte Gabriels, die auch Gaels Geschichte ist, packt, berührt und erschreckt Llanque gleichermaßen: Gerade eben war er noch das behütet aufwachsende Kind eines französischen Vaters und einer ruandischen Mutter in Burundi Anfang der Neunziger Jahre - im nächsten Moment bricht der Krieg los, seine Freunde besorgen sich Maschinengewehre, seine Mutter verschwindet und sein Leben ist bedroht, so die mitfühlende Rezensentin. Von dem Verlust der Kindheit und einer "gegen seinen Willen politisierten Pubertät" erzählt Faye in einer Sprache, die Llanque an seine Rap-Texte erinnert: mal rau, direkt und unverblümt, mal feinsinnig, fantasievoll - jedoch immer ausdrucksstark, lobt sie. Kleine Schwächen, wie die ein wenig zu eloquenten Briefe des jungen Gabriel an seine Geliebte, lässt sie gerne durchgehen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2017

Julia Encke hält Gaël Fayes Debüt für einen eindrucksvollen Akt der Selbstbefreiung und -findung. Wie der aus Burundi stammende und nach Europa geflohene Autor das Glück seiner Kindheit über die Gewaltgeschichte stellt, ohne pathetische Sehnsucht oder strenge Faktentreue, dafür sinnlich und poetisch, findet Encke bemerkenswert. Den Blick einmal umzudrehen, wie Faye es macht, und von Europa nach Afrika zu schauen, scheint der Rezensentin ein erkenntnisfördernder Ansatz zu sein.
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