Die bekannte Geschichte vom bösen Frauenverführer Blaubart wird neu erzählt und variiert. Louis Blaubart, an Jahren etwa so alt wie sein Autor, erbt ein unvorstellbar großes Vermögen - in Devisen, wohlgemerkt. Denn er lebt in einem Land, das wir noch alle kennen, und das unter einem chronischen Devisenmangel leidet. Er bekommt laut Testament seines Vaters das Geld aber nur, wenn er bis zum 30. Lebensjahr geheiratet hat. Sein Dilemma, er liebt ein Mädchen, das minderjährig, also zu jung für die Ehe ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.02.2006
Ausgesprochen gut gelaunt hat Rezensent Walter Hinck das neue Buch von Fritz Rudolf Fries zugeklappt. Lange nicht mehr, so sein Eindruck, habe Fries sich so "locker und ressentimentlos, so befreit auch von den Flügeln der Fantasie davontragen lassen". Ein beträchtlicher Teil des Lesevergnügens geht Hinck zufolge auf das Konto gekonnter erzählerischer Volten, die den Rezensenten beim Lesen manchmal sogar an Größen wie Thomas Mann und Marcel Proust denken lassen. Seine Wirkung verdankt Fries' Variation des berühmten Stoffes der Einschätzung des Rezensenten zufolge der Tatsache, dass ihm "das Barbarische" entzogen wurde und die Geschichte aus dem Ritterzeitalter ins Industriezeitalter verlegt, in die Wirtschafts- und Generationengeschichte einer sächsischen Familie eingebettet wurde, in der es Hinck zufolge eigentlich nur einen einzigen wirklich Bösen gibt: Louis Blaubart II., SS-Sturmbannführer und Chemiker, der in Konzentrationslagern tödliche Experimente an Frauen durchgeführt habe. Fries führt seine Familiengeschichte durch die Wirren der deutschen Geschichte und ihre Mosaiksteine ergänzen sich für den Rezensenten "auf vergnügliche Weise" zu einem Zeitbild bis in die Gegenwart. Dabei ist Hinck ausgesprochen dankbar, dass Fries gerade keinen Wende- oder DDR-Roman geschrieben hat, sondern dass seine Geschichte immer ein "ironisches Märchen" bleibt.
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