Rezensent Jens Jessen bespricht für die Zeit-Schülerbibliothek Schillers Werk "Kabale und Liebe", mit dem er bewiesen sieht, dass Schiller nicht nur rein philosophische, sondern durchaus auch "realistische" Stücke mit philosophischer Note schreiben konnte. Realistisch findet er vor allem "Charaktere und Milieu" des Dramas. Jede Figur habe ihre Redeweise, man lerne bürgerliche und adlige Umgangssprache kennen, die Flüche des Hofes und der Dienstboten". Prinzipiell findet der Rezensent das Werk nach wie vor brandaktuell, ginge es doch letztendlich "um individuelles Glück und individuelle Selbstbestimmung, die an den Regeln der Gesellschaft scheiterten", und "solche Regeln hätte ja nun mal jede Gesellschaft, auch unsere". Als Vergleich zu Schillers beschriebenem Szenario zieht er die Ex-DDR heran, deren Stasi ja auch "Ehen durch Intrigen auseinander" zu bringen versucht habe. Und um wirklich ermessen zu können, was "Demokratie und Freiheit" wirklich "wert seien", brauche man nur Schillers "frisches und empörendes" Stück zu lesen, meint der Rezensent.
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