Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.03.2003
Hängt Friedrich Prinz etwa dem längst überholten Mythos an, "dass die Deutschen schon seit Urzeiten die Wälder Mitteleuropas durchstreifen", fragt Christian Jostmann, um auch gleich die Antwort zu geben: Nein - sein Buch beschäftige sich zwar mit einer Zeit, in der an Deutschland noch nicht zu denken war, es gehe ihm aber um die Frage, was in unseren Gegenden vorher so los war. Vor allem nämlich die Dynastie der Merowinger, die gegen Ende des 5. Jahrhunderts in ihrem frisch gegründeten Reich "ein kulturelles Amalgam aus germanischem Volkstum, christlicher Religion und römischer Staatskunst" schufen und die "Thüringer, Alemannen und Bajuwaren in ihren Kulturkreis einbezogen" - alles spätere Deutsche. Jostmann preist Prinz' Studie als "anschauliches und differenziertes Panorama der früheuropäischen Gesellschaft", das "von der gelehrten Kultur in den Klöstern" genauso viel zeige wie "vom Leben der abhängigen Bauern" und "den Rechten der Frauen". Vor allem aber, lobt Jostmann, werden hier historiographische Lücken nicht überspielt, sondern zum Thema gemacht.
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