Gilt der erste Band als der bekannteste, der dritte als der umstrittenste, so ist der zweite Band des "Kapitals" gelegentlich der ,vergessene? genannt worden. Bei einem ersten Blick auf seinen Nachlass scheint auch Marx selbst sich lieber mit der Herkunft des Mehrwerts oder dem Fall der Profitrate als mit den Unwägbarkeiten des Marktes beschäftigt zu haben. Gleichwohl unternahm er, wie die zehn Entwürfe in diesem MEGA-Band dokumentieren, zwischen 1868 und 1881 alle Anstrengungen, seinen inzwischen ungeduldigen Lesern endlich das zweite Buch über die Realisierungsbedingungen aller produzierten Werte, den Kapitalumschlag und die Reproduktion des gesellschaftlichen Gesamtkapitals zu präsentieren. Man wird anhand dieser erstmals veröffentlichten Texte mit dem zweiten, umfangreichen Gesamtentwurf zum zweiten Buch von 1868-1870 bekannt gemacht, kann verfolgen, wie Marx nach siebenjähriger Pause 1877 seine früheren Entwürfe von 1865-1870 erst wieder kennenlernte und wie er sich wiederholt vergeblich um die finale Ausgestaltung des ersten Kapitels mit einem den Leser mitnehmenden Übergang vom ersten zum zweiten Buch mühte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.06.2008
Seitdem der Weg zu Karl Marx' Nachlass nicht mehr durch "orthodoxe Erbverwalter" versperrt ist, ist eine unvoreingenommene Prüfung der Marx'schen Theorien auf Gültigkeit und Irrtümer möglich, für die die Arbeitsgruppe der Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften mit der erstmaligen Herausgabe der Originalmanuskripte zum zweiten Band des "Kapitals" nun einen wertvollen Beitrag leistet, wie Gerd Lange erfreut anzeigt. Die von einer internationalen Forschergruppe besorgte Edition kann im Vergleich mit der publizierten Form des "Kapitals" zweierlei deutlich machen: Zum einen lässt sich erkennen, dass Engels, der mit der Druckfassung des Fragment gebliebenen Manuskripts betraut war, keine "willentlichen" Veränderungen oder Fehlinterpretationen der Theorien Marx' vorgenommen habe. Hier äußert der Rezensent größten Respekt für die Arbeit Engels, der ein Konvolut von Schriften und Entwürfen zu ordnen und in eine einem Lehrbuch angemessene Form zu bringen hatte. Zum anderen aber lässt sich ermessen, dass die "Kritik der politischen Ökonomie" keineswegs überholt ist und auch der Vorwurf der verfälschenden Vereinfachung so nicht stehen bleiben kann, erklärt Lange. Marx gehe zwar von idealtypischen Bedingungen aus, die wesentlichen Züge des "kapitalistischen Wirtschaftszyklus" habe er aber zutreffend und "tiefgründig" beschrieben, so der Rezensent überzeugt, der sich von dem vorliegenden Band erhofft, dass er einer neuerlichen Beschäftigung mit den Marx'schen Theorien im Licht der modernen Wirtschaft Vorschub leistet.
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