Frederic Gros

Die Scham

Ein revolutionäres Gefühl
Cover: Die Scham
Passagen Verlag, Wien 2025
ISBN 9783709206010
Kartoniert, 176 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Französischen von Isolde Schmitt. "Die Scham ist der wesentliche Affekt unserer Zeit" schreibt Frédéric Gros in seinem neuen Buch, in dem er nach der gesellschaftlichen Bedeutung dieses oft unterschätzten Gefühls fragt. Für Gros ist die Scham nicht bloß Ausdruck von individueller Trauer und Verletzlichkeit, sondern auch von Wut. Sie birgt eine transformative Kraft: Wir schämen uns angesichts der Ungerechtigkeit in der Welt, des Rassismus, des Sexismus, der obszönen Unterschiede zwischen Arm und Reich oder der Klimakatastrophe. Im Anschluss an Karl Marx, der die Scham als revolutionäres Gefühl charakterisiert hatte, versucht Frédéric Gros die politischen Potenziale der Scham freizulegen: Anstatt sich in sich selbst zurückzuziehen und zu verstummen, will Gros die Menschen dazu ermutigen, ihre Scham zu verbalisieren und damit ihre gesellschaftlichen Ursachen ans Licht zu bringen. Ein offener Diskurs über die Scham kann die Menschen aus ihrer Isolation befreien und Wege zum selbstbestimmten und verantwortlichen Handeln aufzeigen - und damit zur Veränderung der Gesellschaft.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 15.11.2025

Rezensentin Catherine Newmark scheint in Frédéric Gros' Buch den perfekten Essay zu finden: nicht nur "eminent lesbar" falle dieser aus, sondern thematisch dringlich, spannend und theoretisch gut gestützt. Es geht um das Thema der Scham, wobei schon die erste Übersetzungs-Eigenart, nämlich dass das französische "honte" (wie auch das italienische "vergogna") sowohl "Scham" als auch "Schande" bedeuten kann, für die Kritikerin die Komplexität des Themas deutlich macht: die Überschneidung eines subjektiven Gefühls mit einem objektiven, gesellschaftlich fundierten Urteil. Wie der französische Science-Po-Professor und Historiker darüber hinaus zahlreiche Beispiele und Fälle "leichthändig" und "anschaulich" anführe und eine Verschiebung des Schamhaften vom Kollektiven ins Private (und vor allem: Sexuelle) historisch nachzeichne, findet die Kritikerin sehr gekonnt. Die Krönung sei dann die ebenfalls überzeugende Verbindung zum Untertitel des Buchs: denn Scham könne, verwandelt in Wut, umstürzende Kräfte entfalten, liest Newmark - gerade auch gegen ein "phallokratisches" System, das sexuelle Scham stets auf der Seite der Opfer verortet wissen will. Ein "äußerst anregender und kluger" Essay, jubelt die Kritikerin.
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