Franzobel

Das Floß der Medusa

Roman
Cover: Das Floß der Medusa
Zsolnay Verlag, Wien 2017
ISBN 9783552058163
Gebunden, 592 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

18. Juli 1816: Vor der Westküste von Afrika entdeckt der Kapitän der Argus ein etwa zwanzig Meter langes Floß. Was er darauf sieht, lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren: hohle Augen, ausgedörrte Lippen, Haare, starr vor Salz, verbrannte Haut voller Wunden und Blasen … Die ausgemergelten, nackten Gestalten sind die letzten 15 von ursprünglich 147 Menschen, die nach dem Untergang der Fregatte Medusa zwei Wochen auf offener See überlebt haben. Da es in den Rettungsbooten zu wenige Plätze gab, wurden sie einfach ausgesetzt. Diese historisch belegte Geschichte bildet die Folie für Franzobels epochalen Roman, der in den Kern des Menschlichen zielt. Wie hoch ist der Preis des Überlebens?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2017

Alexander Kosenina kann sich gar nicht genug wundern und freuen über diesen schrägen Streich von Franzobel. Ein historischer Roman über das legendäre Ende der französischen Fregatte Medusa im Jahr 1816? Aber was für einer, meint Kosenina, der Franzobels literarisches Programm, dem begrifflich Unbegreiflichen mit wilder Fabulierlust, abrupten Wechseln der Erzählperspektive, Brüchen und der Vermischung von Fakten und Fiktion zu begegnen, sehr schätzt. Die vielen monströsen Szenen und abgetrennten Gliedmaßen im Buch nimmt der Rezensent dafür gern in Kauf. Dass der Autor die historischen Quellen und die nautische Sprache dennoch gut kennt, scheint Kosenina bemerkenswert. Eine wuchtige, groteske, verstörende Allegorie auf die Menschennatur, findet Kosenina, ein Buch, wie er es selten gelesen hat.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 18.02.2017

Für Rezensent Tilman Krause ist dieser Roman das "Gipfelwerk" des österreichischen Autors Franzobel. Die Courage muss man erstmal haben, sich mit dem Untergang der Medusa im Jahre 1816  einem "Topos der europäischen Unheilserfahrung" derart unbefangen und mit solch "schöpferischer Wucht" zu nähern, staunt der Kritiker. Mehr noch: Wie Franzobel mit einer Prise Humor, vor allem aber mit viel detailreicher Drastik das größte "Grausamkeitstheater" seit Grimmelshausen entwirft, dabei auf Splatter-Elemente verzichtet und stets nachvollziehbar bleibt, ringt dem Rezensenten allergrößte Anerkennung ab. Trotz seiner bisweilen "plebejisch" unerschrockenen Erzählhaltung verletzt der Autor nie die Würde der Opfer oder die Ernsthaftigkeit des Sujets, schließt der Kritiker, der selten einen so temporeichen und raffinierten Historienroman gelesen hat.
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