Die DDR konnte sich nur im geringen Maße gegenüber den westlichen Medien abschotten. Auf diese Weise entstand hier eine komplexe Mediengesellschaft, die Radio und Fernsehen, aber auch Publikationen aus zwei Systemen konsumierte und damit alltäglich die SED-Diktatur herausforderte.
Franziska Kuschel untersucht zum einen die Strategien des Staates, den Konsum westlicher Medien zu verhindern oder wenigstens zu kontrollieren und einzudämmen, die vor allem in den 1950er und 60er-Jahren die Kriminalisierung der sogenannten 'geistigen Grenzgänger' einschlossen. Zum anderen nimmt sie Strategien der Mediennutzer, diesem Druck zu begegnen und auszuweichen unter die Lupe. Erstmals wird so das Wechselverhältnis zwischen staatlicher Kontrolle und der eigensinnigen Aneignung der Medien analysiert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.05.2016
Ralf Husemann erkennt mit der Dissertation von Franziska Kuschel, inwieweit staatliche Medienpolitik in der DDR mit zur Erosion des Staates beigetragen hat. Weitere Einsichten verdankt er der Autorin, etwa über die Drastik mancher Schauprozesse in Sachen Schwarzhören, über Kontrollwahn und sogenannte staatsfeindliche Hetze. Die Arbeit findet er penibel recherchiert, gründlich, spannend und aufschlussreich, wenngleich auch nicht immer leicht zu lesen.
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