Unter dem Tresen eines Jazzkellers hätte man Herzog Franz von Bayern weniger erwartet als zum Tee mit Queen Elizabeth. Und man würde ihn eher im Austausch mit Größen der Politik und Kirche vermuten als im Kreise internationaler Fachleute für Moderne Kunst. Aber der Gentleman aus Nymphenburg hat nie Wert darauf gelegt, starren Vorerwartungen zu entsprechen. In seinen Erinnerungen zieht ein Jahrhundertleben vorüber - eine Kindheit im Exil und in Konzentrationslagern, Erfahrungen in Bayern und Deutschland nach dem Krieg, Zeiten hoher Verantwortung, außergewöhnliche Begegnungen, private Momente, Begeisterung für die Natur und welthistorische Augenblicke.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.04.2023
Rezensent Hannes Hintermeier taucht mit diesem Band in die Lebensgeschichte von Franz von Bayern ein, dessen Memoiren hier vorliegen. Entstanden ist das Buch aus Gesprächen mit der Historikerin Marita Krauss und so auch im "Duktus gesprochener Sprache" verfasst, teilt der Rezensent mit. Man liest hier Einiges, dass den meisten Lesern wenig bekannt sein dürfte über das Oberhaupt des Hauses Wittelsbach, der ehemaligen Herrscherfamilie des Königreichs Bayern, so der Kritiker. Beispielsweise, dass Franz Eltern, Erbprinz Albrecht von Bayern und Marita Gräfin von Draskovic, mit ihrem kleinen Sohn vor den Nationalsozialisten fliehen mussten und später im KZ Dachau inhaftiert wurden. Auch erfährt der Kritiker Näheres über die Anfänge der Passion des leidenschaftlichen Kunstsammlers, etwa, wenn er sein erstes Zusammentreffen mit Jasper Johns und Robert Rauschenberg in New York schildert. Es herrscht ein Ton hoheitsvoller Bescheidenheit im Text, bemerkt der Kritiker, wenn sich das Buch teilweise als Aneinanderreihung gewichtiger Namen liest, dann, weil sie tatsächlich Teil des Lebens waren, auf das hier zurückgeblickt wird.
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