Franz Kafka

Beschreibung eines Kampfes. Gegen 12 Uhr

2 Bände und Ergänzungsband mit CD-ROM
Cover: Beschreibung eines Kampfes. Gegen 12 Uhr
Stroemfeld Verlag, Frankfurt am Main 1999
ISBN 9783878774969
broschiert, 101,24 EUR

Klappentext

Historisch-kritische Ausgabe sämtlicher Handschriften, Drucke und Typoskripte. Faksimile Edition. Herausgegeben von Roland Reuss. 177 ganzseitige Handschriften-Faksimiles, Beiheft, 1 CD-ROM

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.04.2000

Hans-Albrecht Koch bespricht in seiner Rezension drei Bücher von und über Franz Kafka.
1) Hartmut Binder: "Kafka in Paris" Ganz "Gottfried-Kellersch" bei der Lektüre wird Hans-Albrecht Koch zumute, während er in dem Photobuch mit Texten von Hartmut Binder liest, dessen Gegenstand zwei Reisen Kafkas mit Freund Max Brod (1910 u. 1911) nach Paris sind. Man hat das Gefühl, dieses Buch ermöglicht es dem hingerissenen Rezensenten, mit Brod und Kafka noch einmal alle Wege von damals nachzugehen. Koch bespricht dieses Buch zusammen mit zwei Texteditionen zu Kafkas Werk, auf die ihn die zeitgenössischen Fotos, "die alles zeigen, was die Reisenden damals gesehen habe", und Hartmut Binders "hintergründiger", "humorvoller" und mikroskoppisch genauer Text erst einmal genußvoll einstimmen.
2) Franz Kafka: "Beschreibung eines Kampfes. Gegen zwölf Uhr" (Verlag Stroemfeld/Roter Stern)
Dann kommt Koch zur Edition von 371 Briefdokumenten aus den Jahren 1900-1912, die er als eine der "Großtaten der Kafka-Forschung bezeichnet", besonders wegen ihres "stupenden Kommentars", der keine Fragen offen lasse. Getrübt wird dieses Bild allerdings durch den "befremdlichen Aufbau" des Buches, die Verteilung von Kommentar und Apparat auf zwei unterschiedliche Plätze, was zur Folge hat, daß man gleichzeitig "an drei Stellen lesen muß". Möglicherweise will der Rezensent dem Leser diese Zumutung ersparen und erzählt deswegen sehr detailreich aus den Briefen, was die Lektüre seiner Kritik zuweilen etwas ermüdend werden läßt. Den umständlichen Aufbau erklärt sich Koch dann mit einer möglichen Verwertung der Ausgabe als Taschenbuch. Da könne man nämlich den wegen erheblicher Mängel ohnehin entbehrlichen Anhang einfach weglassen.
3) Franz Kafka: "Briefe 1900-1912" (S. Fischer Verlag)
Mit Rekurs auf den jahrelangen Streit zwischen dem S.Fischer- und dem Stroemfeld-Verlag über die Nutzung der Manuskripte sowie Glück und Unglück, das der Kafka-Forschung daraus erwuchs, beschreibt Koch schließlich die Faksimile-Ausgaben zweier Kafka-Erzählungen durch den "hochverdienten Wilden unter den Verlegern" K.D.Wolff. Der Rezensent ist sehr angetan. Fast tendiert er zu der Auffassung, man könne auf die Transkription der Manuskripte ganz verzichten, weil Kafka so leserlich schrieb. Nicht zu unterschätzen sei auch der "konservatorische Nutzen" dieser Faksimilierung, da Manuskripte zunehmend vom Säuretod bedroht seien.
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