Franz Hohler ist keineswegs nur ein Meister der pointierten Kurzprosa, er ist auch der Meister der großen Form, ein herausragender Autor von längeren Erzählungen. In ihnen gelingt Franz Hohler etwas ganz Besonderes: Er lässt unsere Wirklichkeit entgleisen und verschafft so der Phantasie den Platz, den sie zweifellos verdient und den wir ihr viel zu selten einzuräumen bereit sind. In dem vorliegenden Band können erstmals sämtliche langen Erzählungen des Autors in der Reihenfolge ihrer ursprünglichen Veröffentlichung gelesen werden: Das ist ein einzigartiges Lesevergnügen, und es bringt uns den Erzähler Franz Hohler näher, als wir ihm je gekommen sind. Das macht diesen Band zu einem Zeugnis höchster Erzählkunst aus über vierzig Jahren Schweizer Literatur. Mit diesem Band beginnt eine Ausgabe der Werke Franz Hohlers in lockerer zeitlicher Folge.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.05.2013
Einen schön nostalgischen Text hat Roman Bucheli anlässlich dieser zum 70. Geburtstag Franz Hohlers erschienenen Sammlung von Erzählungen aus vier Jahrzehnten verfasst. Darin erfährt man etwa, dass der Autor Notizen zu seinen lebhaften Träumen in einem Umschlag sammelt, der sich stets am Rand seines Schreibtischs befindet. Oder dass er in den 70ern gewissermaßen zum Mobiliar jeder Schweizer Radiostube am Samstagmittag zählte, als er sich von Zuhörern per Telefon Stichworte und Themen zurufen ließ, um daraus dann binnen einer halben Stunde eine noch im Radio verlesene Geschichte zu zimmern. Froh war man dann oft, so Bucheli, dass Hohler sich überhaupt wieder aus der Affäre gezogen hatte. So schätzt der Rezensent Hohler denn auch als einen exakten Beobachter, der eine Welt aus dem erfindet, was er in der Welt findet. Große oder intime Erzählungen, räumt Bucheli ein, entstehen dabei zwar naturgemäß nicht, doch ist es dem Rezensenten die größte Freude dabei zuzusehen, wie sich die Fabulierlust des Autors an dem entflammt, was andere keines Blickes würdigen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.03.2013
Auch wenn sich der Kabarettist Franz Hohler auch als Romancier bewährt hat, seine "Königsdisziplin" als Autor war schon immer die Erzählung mittlerer Länge, findet Sabine Doering, die sich sehr über die Sammlung ebensolcher in "Der Geisterfahrer" gefreut hat. Hohler ist zwar durch und durch ein Moralist, warnt die Rezensentin, aber er ist einer, dem sie sich gerne anvertraut, weil es "bei aller politischen Korrektheit" immer locker, bissig und witzig daher geht. Tiere erobern Zürich zurück, eine Gynäkologin reist durch die Zeit und die heiligen drei Könige bekommen einen Vierten im Bunde verpasst - ob als Quasi-Prophet der Öko-Literatur oder als fantastischer Erzähler im Stil eines E.T.A. Hoffmann, Hohler erzählt ohne zu erklären. Besonders, wo der Autor auf die alltäglichen menschlichen Abgründe aufmerksam macht und die "Überzeugungen des bürgerlichen Establishments erschüttert", ist er in seinem Element, bekundet die Rezensentin. Seine Sympathien gehören den sozialen Randgruppen und den kleinen Leuten.
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