Franz Baermann Steiner

Zivilisation und Gefahr

Wissenschaftliche Schriften
Cover: Zivilisation und Gefahr
Wallstein Verlag, Göttingen 2008
ISBN 9783892446156
Gebunden, 766 Seiten, 68,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Jeremy Adler und Richard Fardon. Aus dem Englischen von Brigitte Luchesi. Der Ruf von Franz Baermann Steiner (1909-1952) steht heute außer Zweifel. Sein postum erschienenes Buch "Taboo" ist zu einem Standardwerk geworden. Mit dem Begriff des Tabus hatte Steiner die Distribution und Bewältigung der Gefahr als Zentrum der Gesellschaftsbildung erkannt: Tabu und Gefahr erlauben es einer Gesellschaft zuallererst, ihre Werte zu formulieren. Naturbeherrschung als Ziel des "Prozesses der Zivilisierung" hielt Steiner nach dem Krieg für einen Mythos: Nur von Macht über Menschen lasse sich reden, von Ausbeutung und Vernichtung. Der Band "Zivilisation und Gefahr" enthält die klassischen Texte zum Tabu, zur Theorie der Arbeit und der Wirtschaft sowie Steiners Gedanken zur Erkenntnistheorie, Politik, Literatur und Religion. In ihrem umfangreichen Nachwort zeigen die Herausgeber Ursprung und Wirkung von Steiners Denken; des weiteren enthält es die erste vollständige, auf neue Quellen gestützte Biografie Steiners.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.09.2008

Daniel Jütte begrüßt diese Ausgabe mit den wichtigsten wissenschaftlichen Schriften Franz Baermann Steiners. Auch wenn der Band mit der Studie "Hundeopfer und Wehengeständnis, ihre Beziehungen zum nordeurasischen Wiedergeburtsglauben" eröffnet wird, erwarten den Leser nach Auskünft Jüttes keineswegs nur hochspezialisierte anthropologische Arbeiten. Die ausgewählten Texte vermitteln zu seiner Freude nicht nur einen ausgezeichneten Einblick in das Werk des Anthropologen Steiner, sondern auch in das des Zeitdiagnostikers, politischen Denkers und Zionisten. Das Nachwort schlage zudem immer wieder eine Brücke zum lyrischen Werk des Autors. Jütte berichtet über das an Schicksalsschlägen reiche Leben des hochgebildeten, aber bescheidenen, bereits mit 43 Jahren verstorbenen Denkers. Vorliegendes Werk öffnet für ihn auch den Blick für die "vielschichtige intellektuelle Biografie" Steiners. Doch der Band hat bei Jütte nicht nur in akademischer Hinsicht Eindruck hinterlassen. Der "stärkste" Eindruck, der dem Leser bleibt, ist für ihn die "Begegnung mit einem zutiefst 'tragischen Leben' im Schatten des Exils".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.07.2008

Der hier rezensierende Sven Hanuschek stellt uns Franz Baermann Steiner als einen Universalgelehrten vor, der zu Unrecht in Deutschland in Vergessenheit geraten ist. Aber wie wir seiner biografischen Skizze entnehmen, hatte Steiner in seinem Leben zu allem erlittenen Unglück (seine Familie wurde in Theresienstadt ermordet), auch noch sehr viel Pech (seine Doktorarbeit wurde ihm gestohlen, Iris Murdoch wollte lieber doch nicht). Eine gehörige "Dankesschuld" sieht Hanuschek also von den beiden Herausgebern Jeremy Adler und Richard Fardon mit dieser Edition abgetragen, in der Steiner als Ethnologe zu erleben ist, der ebenso scharfsinnig über polynesische Tabus wie über Freud, den Zionismus oder die Religion zu schreiben versteht. Und dabei "voller Volten und satirischer Schärfe", wie Hanuschek staunt.
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