Klappentext
Lange galt die Mehrheit der serbischen Bevölkerung als politisch desinteressiert. Proteste, die sporadisch aufflammten, scheiterten. Als im November 2024 das Vordach des Bahnhofs in Novi Sad einstürzte und mehrere Menschen starben, änderte sich das schlagartig. Landesweit entstand eine breite Protestbewegung: Die Menschen fordern Aufklärung, prangern Missstände in Regierung und Verwaltung an und verlangen Rechtsstaatlichkeit, öffentliche Kontrolle und echte Korruptionsbekämpfung. Seitdem gerät Präsident Vučić zunehmend unter Druck. Balkan-Experte Florian Bieber zeigt anhand dieser starken Bewegung die Bedeutung von Bürgerprotesten. Für Serbien, aber auch für Europa, Russland und die USA. Denn weltweit fürchten Autokraten wie Vučić, Orbán, Putin und Trump zivilgesellschaftliche Proteste - und bekämpfen sie mit den immer gleichen Mitteln.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 19.05.2026
Rezensent Dirk Auer liest ein Buch, das wichtige Lektionen bereit hält für jene, die sich gegen autokratische Herrscher wehren möchten. Konkret zeigt Florian Bieber auf, wie in Serbien seit 2024 eine Protestbewegung entstanden ist, die gegen das Regime des Präsidenten Alexander Vučić mobil macht - und zwar sehr erfolgreich. Mehr als 30.000 Demonstrationen organisierte die von Studenten ins Leben gerufene Bewegung, die außerdem Bürgerplena organisiert und auch im vorher komplett von Regierungspropaganda dominierten ländlichen Raum Fuß fasst. Bieber schlägt sich klar auf die Seite der Opposition, stellt Auer klar, seine Analysen bleiben jedoch trotz Parteilichkeit hellsichtig, auch etwa, was die historische Herleitung der aktuellen Situation angeht. Nun sind die Serben Vučić bisher trotz der Proteste nicht losgeworden, konzediert Auer. Dennoch kann das serbische Beispiel Vorbildfunktion haben, glaubt der Rezensent nach der anregenden Lektüre: Um Autokraten wieder loszuwerden, brauche es einerseits konkrete Forderungen, andererseits Geduld.
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