Ferdinand von Schirach

Tabu

Roman
Cover: Tabu
Piper Verlag, München 2013
ISBN 9783492055697
Gebunden, 256 Seiten, 17,99 EUR

Klappentext

Sebastian von Eschburg verliert als Kind durch den Selbstmord seines Vaters den Halt. Er versucht sich durch die Kunst zu retten. Er zeigt mit seinen Fotografien und Videoinstallationen, dass Wirklichkeit und Wahrheit verschiedene Dinge sind. Es geht um Schönheit, Sex und die Einsamkeit des Menschen. Als Eschburg vorgeworfen wird, eine junge Frau getötet zu haben, übernimmt Konrad Biegler die Verteidigung. Der alte Anwalt versucht dem Künstler zu helfen - und damit sich selbst.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.09.2013

Verena Mayer trauert Ferdinand von Schirachs Erzählbänden "Verbrechen" und "Schuld" nach, mit denen der Anwalt und Autor das totgeglaubte Genre der Gerichtsreportage wiederbelebt hat. Jetzt hat sich Schirach ganz der Schriftstellerei verschrieben, berichtet die Rezensentin, und nimmt man seinen neuen Roman "Tabu" als Vorgeschmack dafür, was seine Leser in Zukunft erwarten können, war das keine gute Idee, findet sie. In dem Buch geht es um Sebastian von Eschburg, einen jungen Fotografen, der mutmaßlich eine junge Frau entführt hat, der Anwalt Biegler wird mit dem Fall betraut und muss Eschburg vor Gericht verteidigen, fasst die Rezensentin zusammen. Überraschung: Biegler löst den Fall und streut - ganz honorarfrei - Anwaltsweisheiten für den Leser ein, berichtet Mayer. Das ganze Buch ist im Grunde ein "Thesengebäude mit blutleeren Figuren", findet die Rezensentin, Schirach verwendet gebräuchliche Klischees, kann die Holzschnitte aber nicht zum Leben erwecken. Nicht jeder interessante Fall verheißt ein interessantes Buch, meint Mayer.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.09.2013

Spürbar enttäuscht bespricht Rezensent Hannes Hintermeier Ferdinand von Schirachs neuen Roman "Tabu". Er folgt hier einem unter Synästhesie und Wahnvorstellungen leidenden jungen Fotografen, der des Mordes an einer spurlose verschwundenen Ukrainerin verdächtigt wird, auch wenn deren Existenz gar nicht bewiesen ist. Der Kritiker klagt nicht nur über blasse und schablonenhaft wirkende Figuren, die in ebenso "bedeutungsschwangeren" wie banalen Dialogen miteinander kommunizieren, sondern stört sich auch an den zahlreichen, allzu ausladenden Verweisen etwa auf das Nietzsche-Haus in Sils-Maria oder das Stadtbad Charlottenburg. Während Hintermeier bei der Gestaltung gelungener Figuren - wie der Staatsanwältin oder der Strafverteidigers - den Autor ganz in seinem Element erlebt, muss er nach der Lektüre leider feststellen, dass Schirachs Beitrag zum Büchnerjahr "literarisch noch reichlich Luft nach oben" lässt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.09.2013

"Den neuen Roman Ferdinand von Schirachs habe ich nicht verstanden", bekennt Ulrich Greiner gleich zum Einstieg in seine Rezension freimütig, um im Folgenden gründlich auseinanderzunehmen, was ihm an "Tabu" nicht gepasst hat: die miteinander verschränkten Handlungsstränge erzeugen keine Spannung, sondern verwirren bloß, die philosophischen Reflexionen der Protagonisten sind plattes Geschwurbel, die strukturelle Konzeption geht nicht auf, und schlecht formuliert ist das Ganze auch noch. So fällt denn auch Greiners Fazit eindeutig aus: "Ferdinand von Schirach kann nicht schreiben."
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