Angesichts von Gewalttaten Jugendlicher herrscht auf die Frage nach Ursachen und Prävention meist Ratlosigkeit. Anhand eindringlicher und mitunter erschreckender Interviews mit jungen Tätern und Täterinnen schildert der Autor deren Weg von früher Gewalterfahrung in der Familie bis hin zu oft rauschhafter Gewaltausübung im Jugendalter. Seine Interpretation bietet wichtige theoretische Denkanstöße für die Gewaltforschung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 22.08.2003
Rezensent Magnus Schlette zeigt sich sehr angetan von Ferdinand Sutterlütys Buch über den Suchtcharakter jugendlicher Gewaltausübung. Einig ist er sich mit dem Autor darin, dass sozialstrukturelle und kulturtheoretische Erklärungsmodelle das Phänomen der Jugendgewalt nicht hinreichend erklären können. Plausibel erscheint ihm daher Sutterlütys Vorgehen, zunächst bei den "schönen Gefühlen" in Schlägereien anzusetzen. Wie Schlette ausführt, kann Sutterlüty zeigen, dass jugendliche Gewalttäter Gewalt keineswegs als geeignetes Mittel zu einem vorab definierten und intendierten Zweck einsetzten, sondern die gewalttätige Konfrontation selbst als euphorisierend empfinden und diese Glückszustände zu wiederholen suchen. Als "Leistung" von Sutterlütys hermeneutischer Einzelfallrekonstruktion - er führte Gespräche mit achtzehn jugendlichen Gewalttätern - sieht Schlette, dass die jugendlichen Täter den Autor nicht über die wahren Motive ihres Handelns täuschen konnten. Deutlich werde allerdings auch, "dass die von den Jugendlichen gegebenen Begründungen keineswegs bloße Täuschungsstrategien sind". Gegen Elias Canettis anthropologische Deutung der Gewalt verstehe Sutterlüty das Euphorisierende der Gewalt als Kompensation für erlittene Missachtung, Gewalt und Demütigung. Etwas bedauerlich findet Schlette nur, dass Sutterlüty seine Interviews nicht immer genügend ausschöpfe und bisweilen ein wenig zu undifferenziert deute. Auch die Organisation des Materials hält Schlette für nicht ganz einleuchtend.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.04.2003
Milos Vec fühlt sich von der Studie zugleich abgestoßen und gefesselt und vermutet darin gerade den Reiz dieses "großartigen Buches". Vecs Lob für die Dissertation des Soziologen Sutterlütys liest sich überaus überschwänglich: der empirische Zugang sei "wohlbegründet und ergiebig", das Werk besteche durch die Verknüpfung von "mikroskopischen Situationsanalysen mit scharfsinnigen Erklärungsmustern", mit seinen Interviews gelinge dem Autor wahre "hermeneutische Meisterstücke". Am Ende der Lektüre gelinge es vor allem durch die behutsame Analyse, dass der Beobachter nicht nur Verständnis für die jugendlichen Täter findet, sondern auch ihre Brutalität erschreckender wahrnehme, so der Rezensent. Das Werk wendet sich gegen pauschalisierende soziologische Theorien, die Gewalt bei Jugendlichen als "Nebenfolge von gesellschaftlichen Modernisierungsprozessen" betrachten oder behaupten , Gewalt werde "medial über gewalttätige Leitbilder" übertragen. Bei Sutterlütys Analyse trete deutlich "die Innenansicht" der Menschen hervor, "die so von Gewalt geprägt sind, dass sie in bestimmten Situationen zu brutalem Handeln neigen". Dabei gelinge dem Autor das Kunststück, ein "intimes Verständnis" für die Täter zu erreichen, ohne jedoch die "Opfer zu marginalisieren", resümiert ein begeisterter Milos Vec.
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