In einer Zeit, in der die gesellschaftliche Welt in Elementarteilchen zu zerfallen droht, wird die Frage akut, was die Individuen noch zusammenhält. Die Antwort: die Paarliebe als anthropologisches Radikal, das den Menschen von der tierischen Horde getrennt hat. Die Rekonstruktion der Entstehung des Individuums aus dem Paar ist der Versuch, die anthropologische Dimension kommunikativen Handelns jenseits der Dualismen von Individuum und Gesellschaft, von Bewusstsein und Sprache zu erschließen. Nicht im Verhältnis von Mutter und Kind, sondern in der Beziehung zwischen Mann und Frau bilden sich die Muster aus, nach denen Menschen zueinander, zu sich selbst und zur Welt in Verbindung treten. Auch außerhalb der Institutionen von Ehe und Familie ist die erotische Liebe das kommunikative Medium, das durch Diskurs allein nicht zu ersetzen ist. So findet sich auch der flexible Mensch der Postmoderne durch das normale Chaos der Liebe gerechtfertigt: eine Lebensform, die an Dramatik der christlichen Rechtfertigung allein durch den Glauben in nichts nachsteht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.07.2006
Ferdinand Fellmanns Studie über die Mann-Frau-Beziehung hat Rezensent Edo Reents sichtlich imponiert. Er lobt die gut verständliche Analyse philosophischer Ansichten und Theoreme über "das Paar", von Sokrates über Nietzsche und Freud zu Heidegger, Gehlen und Habermas. Eine der Stärken des Autors sieht er in der Vermittlung verschiedener Positionen. Die Ansicht Fellmanns, zur Natur des Menschen gehöre der Aufbau von privilegierten Partnerschaften, die auf den einen oder anderen etwas altmodisch wirken könnte, stört Reents nicht weiter - zumal sich der Autor weder der Genderbewegung anbiedert noch den Antifeministen mimt oder jemals schlagwortartig argumentiert. Besonders gelungen findet Reents das Schlusskapitel über das Kind, das für ihn zum "Besten" und "Seriösesten" gehört, was derzeit von philosophischer Seite zum Thema zu hören ist.
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