Felix Klopotek

how they do it

Free Jazz, Improvisation und Niemandsmusik
Cover: how they do it
Ventil Verlag, Mainz 2002
ISBN 9783930559756
Broschiert, 228 Seiten, 13,90 EUR

Klappentext

Ausgehend von historischen Größen wie John Coltrane, Ornette Coleman, Albert Ayler und Cecil Taylor hat sich die Improvisierte Musik bis in unsere Tage nicht nur weiterentwickelt, sondern auch neue Ausdrucksformen gefunden. Freie Improvisation ist längst nicht mehr nur ein Phänomen des Jazz, sondern ein weitverzweigtes Ausdrucksmittel musikalischer - und damit zum Teil auch politischer - Emanzipation. Felix Klopotek, ein genauer Kenner der Szene, schreibt die Geschichte des Freejazz und seiner Ableger nicht aus einer Perspektive des Vergangenen, sondern aus der Gegenwart heraus. Hier wird nicht nostalgisch Jazzvergangenheit glorifiziert, sondern Improvisation als Teil einer sozialen Praxis betrachtet.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.03.2003

Sehr wohlwollend sichtet Peter Niklas Wilson diesen Sammelband über neue Musik, dessen Texte zwischen 1998 und 2002 entstandenen sind. Es ist kein ordentlichen Buch, meint der Rezensent, und das liegt seiner Ansicht nach in der Natur der Sache. Auch die Zuordnung einzelner Musiker zu Kategorien wie "Free Jazz", "Post-Serialismus" und "Gitarrenrenaissance" überzeugen Wilson nicht immer, und er warnt zudem, sich nicht allzu sehr auf Fakten und Daten des Buches zu verlassen. Aber irgendwie findet er es auch ziemlich "kleinlich", derart Nebensächliches zu bekritteln. Deshalb lobt er auch nachdrücklich die "lässige und kunstvolle Weise" mit der der Autor über seine Höreindrücke schreibt und er zeigt sich beeindruckt, wie gelungen Klopotek in seinen Texten "Seminaristenprosa und Szenejargon" zusammenzubringen weiß.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 24.01.2003

Leicht zwiespältig zeigt sich Rezensent Björn Gottstein bei seiner Besprechung von Felix Klopoteks Buch "how they do it", das zwischen 1996 und 2002 entstandene Essays und Artikel versammelt. Behandelt werden Musiker und Komponisten wie die Freejazzer Cecil Taylor und Peter Brötzmann, der linksradikale Komponist Cornelius Cardew, der Laptopmusiker Christian Fennesz und die Rockband Godspeed You Black Emperor, die von etablierten Referenzsystemen abweichen, ohne sie außer Kraft zu setzen, erklärt Gottstein. Zu seinem Bedauern fehlt dem Buch eine "griffige und umfassende These", - auch wenn Klopotek sich bemühe, den Gestus der Improvisation zum zentralen Ausgangspunkt seiner Überlegungen zu erheben. Trotzdem lohnt sich nach Ansicht Gottsteins die Lektüre. Denn es gehe dem Verfasser um die Musik selbst - weder verkläre er Anekdoten zum Mythos, noch erhebe Biografien in den Stand der musikalischen Essenz. Nein: "Die Musik selbst ist Gegenstand des Diskurses." Gelungen findet Gottstein beispielsweise, wie Klopotek das Begriffspaar abstrakt/konkret auf funktionale Kontexte bezieht. Überzeugt hat ihn auch, wie Klopotek eine vorgegebene Klangvorstellung, einen bestimmten Sound, zur Ideologie, zum notwendig falschen Bewusstsein des Instrumentalisten erklärt, und jede Abweichung folgerichtig zur Ideologiekritik. Weniger begeistert hat Gottstein, dass die "ohnehin oft suggestive Argumentation" bisweilen in den Dienst einer "knalligen Thesenbildung" gerate.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.12.2002

Schon das Buchcover hat es dem Rezensenten Ulrich Stock angetan, denn dessen elektronischer Kabelsalat ist für ihn "ein bewusster, fast koketter Gegenentwurf zum lauten Bestseller". Jedoch bewirke das erste Aufklappen des Buches eher "einen Anflug von Unlust", da es mit Fußnoten und Index "wissenschaftlich-wichtig" daherkomme. Diese Skepsis, so Stock, müsse allerdings vor der "Chuzpe" kapitulieren, mit der der Musikjournalist Felix Klopotek dieses Buch über Free Jazz, Improvisation und Niemandsmusik geschrieben habe, aus skurrilen Tonstudio-Anekdoten und sprechenden Künstlerporträts.

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