Nach dem Sturz der Mauer stehen überall in Berlin ungenutzte Flächen und Gebäude bereit, mit neuem Leben gefüllt zu werden. Die Besitzverhältnisse sind ungeklärt, und so erobert die Szene aus beiden Teilen der Stadt die neuen Freiräume. Clubs, Galerien, Ateliers und Studios entstehen oft nur für wenige Wochen. Bald schon ist Berlin Epizentrum einer neuen Kultur, lockt mit Clubs wie dem "Tresor" und dem "E-Werk" Tausende Anhänger aus aller Welt an. Sie tanzen in Gasmaske oder Schweißerbrille die Nacht hindurch zum Preßlufthammersound bisher unbekannter DJs aus Detroit. Unter ihnen auch Schriftsteller, Künstler, Fotografen und Designer. Schnell wächst Techno zu einer Bewegung der Massen, die in der Loveparade ihre schillerndste Blüte treibt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.04.2012
Rezensent Alexis Waltz weiß dieses Buch von Felix Denk und Sven von Thülen über die Berliner Techno-Szene zu schätzen. In Form eines aus 70 Interviews montierten vierhundertseitigen Dialogs gelingt den Autoren seines Erachtens eine materialreiche und ausführliche Darstellung von Aufstieg und Fall der Technobewegung. Eingehend erzählt Waltz diese Geschichte nach, berichtet über die Anfänge in Kreuzberger Kellerlöchern, über den Spirit der Bewegung, den aus Detroit stammenden Sound und vieles mehr. Die Autoren beschreiben Techno nach Darstellung von Waltz nicht musikhistorisch, sondern soziologisch, indem sie auch die Orte, die Clubs, die Szene, die Cliquen, die Akteure einbeziehen. Wer sich für die Techno-Szene und Musik in ihrer Entwicklung interessiert, dürfte bei diesem Buch auf seine Kosten kommen.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 15.03.2012
Ihr Konzept habe diese, aus 150 Gesprächen mit Zeitzeugen und Protagonisten kompilierte Oral History über das Aufblühen der Berliner Techno-Undergroundszene um die Wendezeit herum Jürgen Teipels Doku-Roman-Klassiker "Verschwende deine Jugend" über die frühe deutsche Punk- und New-Wave-Szene entlehnt, bemerkt Julian Weber. In dieser Vielfalt der sich teils widersprechenden Stimmen wird der Rezensent Zeuge einer archäologischen Bergung von unter den "Trümmern der Geschichtstrunkenheit" vergrabenen "gesellschaftlichen Freiräumen" einer Szene, die sich Pop und Nachtkultur seinerzeit überhaupt erst einmal wieder beibringen musste. Sauer stößt ihm dann aber doch die in einigen Passagen kolportierte Behauptung auf, der Berliner Techno sei eine genuin deutsche Erfindung: Hier, mahnt der Popgelehrte, weisen die Spuren eindeutig in Richtung Detroit und Chicago, deren Szeneprotagonisten Berlin zahlreiche Impulse gaben.
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