Fatin Abbas

Zeit der Geister

Roman
Cover: Zeit der Geister
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783737101936
Gebunden, 368 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Bernhard Robben. Saraaya, eine Stadt im umkämpften Zentrum des Sudans. Hier finden William und Layla zueinander - eine Liebe, die nicht sein darf, da sie aus verfeindeten Volksgruppen stammen. Doch das Grundstück der NGO, wo die beiden arbeiten, ist Freiraum und Schnittstelle verschiedener Welten. Hier lebt auch die Amerikanerin Dena, deren Eltern einst aus dem Sudan flohen, sie will ein Filmprojekt realisieren. Und Alex, ein Kartograph aus Cleveland, der sowohl an der geheimnisvollen Dena als auch am verwirrenden Schwemmland der Region verzweifelt, das sich allen westlichen Maßstäben entzieht. Dann erschüttert eine Leiche vor dem Tor der NGO das fragile Zusammenleben. Wer ist der Tote? Was hat es mit den näher kommenden Rebellen auf sich? Als wenig später Flüchtlinge bei der Organisation Schutz vor dem ausbrechenden Bürgerkrieg suchen und Waffen auf dem Gelände gefunden werden, droht die Lage zu eskalieren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.03.2024

In ihrem Roman blickt Fatin Abbas auf die Komplexität des Konflikts zwischen Nord- und Südsudan, der sich auch in den Figuren widerspiegelt, klärt uns Rezensentin Amira El Ahl auf. Die Mitarbeiter einer NGO in der fiktiven Grenzstadt Saraaya werden zu einer "Schicksalsgemeinschaft", nachdem ein Leichnam vor ihrer Haustür liegt und sie in den Konflikt hineingezogen werden, resümiert die Kritikerin. Abbas versucht anhand der Figuren, darunter ein US-Kartograph, der an der Komplexität der Region und westlicher Überheblichkeit scheitert, sowie ein Dolmetscher und eine Köchin, den "Gegensatz von Nation und Gemeinschaft" zu illustrieren, erkennt die Rezensentin. Die Schilderungen von Gefängnissen und Folter, betont sie, basieren auf den Erfahrungen ihres Vaters und wirken entsprechend plastisch. Obwohl das Buch 2001 spielt, ist es angesichts der aktuellen Lage im Nord- und Südsudan relevant, schließt sie.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 02.03.2024

Rezensentin Bettina Baltschev verspricht ein berührendes, auch grausames, aber nicht pathetisches Romandebüt von Fatin Abbas. Die sudanesisch-amerikanische Autorin erzählt darin von den Mitgliedern einer NGO im Sudan, über die der Krieg unerwartet hereinbricht. Dabei nehme sich Abbas viel Raum, die 5 zusammenwohnenden NGO-Mitglieder näher unter die Lupe zu nehmen: Es geht um den Leiter William, um die von ihm umworbene nomadische Köchin Layla, den 12-jährigen Mustafa und die beiden Amerikaner Alex (Geograf) und Dena (Dokumentarfilmerin). Wie Abbas der Leserschaft ihre Figuren nahebringe, etwa die Wünsche des jungen Mustafa, der von Denas elektrischer Zahnbürste träumt, oder die Zweifel von Alex, der die Gründe für seine Versetzung zu hinterfragen beginnt, findet die Kritikerin "sorgfältig" und sprachlich versiert. Auch das Grauen der gegenseitigen Bekämpfung von rebellischen und regierungstreuen Truppen werde eindrücklich geschildert. So gelinge der Autorin eine spezifische Darstellung des sudanesischen Krieges bei gleichzeitiger Erfassung eines "universalen" menschlichen Leids; weder mit "klagendem" Tonfall noch mit Happy End, sondern mit einem aufhellenden, doch realitätsnahen Schlusspunkt, lobt Baltschev.

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