Evgenij Cirikov

Koljas Heimkehr

Cover: Koljas Heimkehr
Friedenauer Presse, Berlin 2026
ISBN 9783751880435
Gebunden, 162 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Anja Schloßberger. Der Medizinstudent Kolja wird nach revolutionären Umtrieben von der Universität in Kyijv verwiesen und nach verbüßter Haft in die Aufsicht seiner Eltern in eine kleine Provinzstadt entlassen. Doch die turbulente Zeit in der Großstadt hat ihn verändert und eine Mauer der Entfremdung und des Unverständnisses zwischen ihm und den Bewohnern seiner Heimat errichtet. Das brodelnde Leben in der Metropole weicht einer ländlichen Monotonie, der hochtrabende Jugendeifer dem Wunsch nach der Bequemlichkeit des Beamtendaseins. Während die Mutter überglücklich ist, ihren geliebten Sohn unversehrt zurückzuhaben, bangt der Vater, der es in dem Städtchen zu einigem Ansehen gebracht hat, angesichts der Exzentrizitäten Koljas um seine Stellung und versucht immer wieder, ihn zur Einsicht zu bewegen. Doch kann der junge Mann seine Ideale so einfach aufgeben? Mit psychologischem Feingefühl und leiser Komik vermittelt Evgenij Čirikov die lähmende Enge der Provinz und das tragische Dilemma von Liebe und Ehre. Die mitreißende Erzählung einer verhängnisvollen Heimkehr, die zeigt, wie das Beste zu wollen zum Schlimmsten führen kann.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 07.11.2026

Evgenij Cirikov war lange vergessen, obwohl er einst auf einer Stufe mit Gorki und Tschechow stand, doch jetzt kann Rezensent Valentin Wölflmaier ihn dank einer Neuübersetzung von Anja Schloßberger in der Friedenauer Presse neu entdecken. Dieser Roman beginnt damit, dass Mar'ja Timofeeva jeden Tag an der Bahnstation auf ihren Sohn Kolja wartet, bis er dann irgendwann tatsächlich, ziemlich heruntergekommen, vor ihr steht, von der Uni verwiesen und von der Polizei unter die Vormundschaft seiner Eltern gestellt, lesen wir. Kolja hatte, wie übrigens auch sein Autor, an einem Studentenaufstand teilgenommen, jetzt fühlt er sich in der Natur, in der Beschaulichkeit seines Heimatortes verloren und eingeengt, die Menschen um ihn herum verstehen ihn nicht, schildert Wölflmaier. Er liest in Cirikovs Geschichte von der Resignation der Jugend, von der Frage, was passiert, wenn die Zukunft brüchig wird und von der Flucht eines Ichs vor sich selbst - psychologisch einfühlsam, modern, und doch mit Bezügen zur Romantik. "In syntaktischen Kreisbewegungen" tänzeln die Sätze, "der Mond überlegt, warum es so still war" und doch kann die Natur keinen Trost bieten. Eine unbedingt lohnenswerte Wiederentdeckung, findet der Kritiker.

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