Evelyn Schlag

Brauchst du den Schlaf dieser Nacht

Gedichte
Cover: Brauchst du den Schlaf dieser Nacht
Zsolnay Verlag, Wien 2002
ISBN 9783552052086
Gebunden, 120 Seiten, 15,90 EUR

Klappentext

Seit fast anderthalb Jahrzehnten und mit vier Gedichtsammlungen zählt Evelyn Schlag zu den unüberhörbaren Stimmen der zeitgenössischen Lyrik. Unverrückbar im Zentrum ihrer Verse stehen die Liebe und die Natur, die sie in einer zugleich ruhigen und dennoch drängenden Sprache feiert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.02.2003

Wie eine Liebesgeschichte lesen sich Evelyn Schlags jüngste Gedichte, die es für Heinrich Detering leider an "poetischer Distanz" fehlen lassen. Ihm erscheinen die bekenntnishaften Notate, das fortlaufende Zwiegespräch mit dem Geliebten wie Tagebuchaufzeichnungen wenn auch poetischer Natur, die "zu ein paar hübschen Gedichten hätten werden können". Was sich im Brief oder im Tagebuch zart lese, wirke im Gedicht "prätentiös", mosert Detering. Der hohe Ton stört ihn, zumal er Schlags Formkunst teilweise als bloß "oberflächliche Verrätselung" empfindet, wo die syntaktischen Bezüge für kurze Zeit gestört und dann wieder hergestellt würden. Die Beschränkung auf "satztechnische Mittel" und der Hang zum Großformat, zur Serie erzeugen für Detering einen immergleichen Sound, den er ermüdend findet. "Schön muss es sein, so geliebt zu werden", ächzt er.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.01.2003

Franz Haas ist absolut hingerissen von diesem Gedichtband, und er kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Die Problematik, die in diesem Gedichtzyklus unter anderem erzählt wird, sei zwar keineswegs neu - eine verheiratete Frau verliebt sich in einen anderen Mann - doch werde sie in den Gedichten "ganz neu" dargestellt, so der Rezensent begeistert. Er preist die Verse als "Gebrauchslyrik im besten Sinn", wobei er betont, dass sie auf Reim und festes Metrum bei aller "formalen Strenge" verzichten. Dabei begeistern ihn "originelle Aufzeichnungen" aus dem Alltag, wie die Geräusche, die Kühlschrank und Kochtopf machen, genauso wie die tiefsinnigeren Betrachtungen der Lyrikerin über die menschliche Existenz. Er attestiert Schlag, dass sie für jede Situation das "passende Sprachregister" findet und in ihrem "Schweben zwischen Spielerei und feinem Eigensinn" bei allem Sinn für Komik stets die "Würde" bewahrt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.08.2002

Mit ihrem "konsequent durchkomponierten" Band "Brauchst du den Schlaf dieser Nacht" hat Evelyn Schlag ihren mittlerweile fünften Gedichtband vorgelegt, berichtet Meike Fessmann. Es ist ihr bisher Bester, lobt die Rezensentin. Sie hebt hervor, dass sich Schlags Band - anders als viele Lyrikbände der Gegenwartsliteratur - als ein Buch und nicht als ein "Sammelsurium einzelner Gedichte" liest. Inhaltlich handelt es sich bei den Gedichten nach Fessmann allesamt um Spätsommergedichte. Seine fast klassizistische Perfektion - und damit auch seinen elegischen Unterton - erhalte der Band nicht zuletzt durch diese thematische Grundierung. Fessmann fühlt sich bei den Gedichten immer wieder an Rilke erinnert. Bisweilen gehen ihr Schlags Gedichte allerdings ein wenig auf die Nerven. Immer dann nämlich, wenn die Zufriedenheit des lyrischen Ichs, das um die fünfzig, glücklich verheiratet und eingebettet in ein "Netz aus Freunden und literarischen Bezügen" ist, umschlägt in Saturiertheit und Selbstgefälligkeit. Allerdings fallen diese Ausrutscher im Vergleich zu der Vielzahl gelungener Gedichte für Fessmann kaum ins Gewicht.
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