Georg Olms Verlag, Hildesheim 2026
ISBN
9783487172132 Gebunden, 330 Seiten, 29,00
EUR
Klappentext
Kann Musik sprechen? Welche Rolle spielt der Körper beim Musikhören? Diese Fragen wären vor 50 Jahren als absurd abgetan worden, heute sind sie aktuell. Eva Rieger zeigt in ihrer Studie, wie die Frauenbewegung 1976 auf der Suche nach einer Identität und einer Geschichte entstand, und wie die Frau in einer von Männerinteressen überzogenen bürgerlichen Musikkultur festgeschrieben wurde: ob als böse Wahnsinnige oder Repräsentantin der Liebe - von der Sonatensatzform bis hin zum heutigen Spielfilm. Neben der Schilderung der frauenbezogenen Musikforschung von 1976 an enthält das Buch Kapitel mit Film- und Opernanalysen, über militärische Musik und die Auflösung der Geschlechterrollen. Es geht in der Studie um die Macht eines Geschlechts über das andere; neben berechtigter Kritik bietet die Autorin eine Aufklärung über den Stand des heutigen Musiklebens, wobei sie Vorschläge für die Zukunft formuliert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.09.2026
Es ist noch nicht so lange her, dass die akademische Musikwissenschaft rein männlich dominiert war, liest Rezensentin Lotte Thaler bei Eva Rieger, einer frühen Vordenkerin der feministischen Musikforschung. Rieger blickt in drei Kapiteln auf fünfzig Jahre Forschung zurück, Persönliches, theoretische Auseinandersetzungen und (laut Thaler leider fehlerhafte) Notenbeispiele kommen vor. Besonders spannend ist für die Kritikerin das lange Literaturverzeichnis und die Erläuterungen, wie die amerikanische Geschlechterforschung in die deutsche Musikwissenschaft kam: Die Autorin wendet sich gegen den "Geniekult" um Beethoven und Co., auch wenn sie der These eines "phallozentrischen Codes" in Beethovens Neunter nicht zustimmen kann, die die Amerikanerin Susan McClary aufgestellt hat. Erst, als sich die Disziplin auch für soziologische Fragestellungen öffnete, wurde geschlechterkritische Forschung möglich, lesen wir, die aber ihrerseits Probleme offenbarte: Wieso komponierten auch Clara Schumann oder Emilie Mayer "männlich"? Gegen Ende fürchtet Rieger, der Feminismus könnte sich selbst dekonstruieren und damit das Verständnis der Musik erschweren, schließt Thaler.
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