Dieses Buch widmet sich autobiografischen Texten, in denen Kindheit und Shoah auf traumatische Weise miteinander verknüpft sind. Untersucht werden literarische Zeugnisse von Autoren, die in ihrer Kindheit als Juden verfolgt wurden und diese Erfahrungen Jahrzehnte später literarisch darstellen und reflektieren. Das Augenmerk richtet sich dabei auf Schrifstellerinnen und Schriftsteller, die ihre frühe Kindheit und ihre Sozialisation in Deutschland oder Österreich erfahren haben bzw. deren Eltern aus Deutschland stammen. Eva Lezzi untersucht die Kindheitsautobiografien nicht nur als besondere Form literarischer Erinnerung. In einer interdisziplinären Annäherung bezieht sie auch die geschichtlichen Bezüge, die unmittelbare Lebenssituation der Kinder und die psychische Wirkung von Traumatisierungen im Kindesalter mit ein.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.03.2002
Ein großes Lob spricht der mit "aki" zeichnende Rezensent der Literaturwissenschaftlerin Eva Lezzi aus. Nachdem die Berichte von Holocaustüberlebenden zunächst stark dokumentarisch und später dann biografisch aus der Sicht von Erwachsenen waren, habe sich im Laufe der Zeit ein neues Genre herausgebildet, das die Autorin nun zum Thema ihrer Untersuchung gemacht habe: die Kindheitsautobiografie. Dabei zeige sich die Wissenschaftlerin den der Thematik innewohnenden Problemen absolut gewachsen. Das Genre beinhalte nämlich nicht nur historische oder biografische Dimensionen sondern auch psychologische und moralische. Der Autorin gelänge es, so lobt der Rezensent, all diese Aspekte mit in ihre Untersuchung einzubeziehen und zu verknüpfen, ohne dass einer von ihnen zu kurz käme.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 05.07.2001
Gleich zu Beginn seiner Rezension verweist Thomas Meyer auf die Besonderheit von Eva Rezzis Auseinandersetzung mit jüdischen Opfern des Nationalsozialismus: die Schweizer Germanistin konzentriert sich in ihrer Arbeit ausschließlich auf Kindheitsbiografien jüdischer Überlebender, betont er. Dass Rezzi in ihrer Arbeit nicht mit dem literaturwissenschaftlichen Seziermesser zu Werke gehe, sondern sich psychoanalytischer Theoreme bedient, hebt er als besonderes Plus heraus. Auch Rezzis Verfahren der "exemplarischen Einzelinterpretation" gefällt ihm, denn dadurch bleibe jedes Schicksal ein Sonderfall. Lezzis Blick sei geprägt von sympathischer Distanz, lobt der Rezensent abschließend. Weder anmaßende Einfühlung noch Popularisierung finde man hier, dafür aber das Bestreben, die Sprache der analysierten Texte in ihrer Materialität nicht anzugreifen und sich damit an die Mahnung des Philosophen Ernst Cassirer zu halten, dass sich in der Erhaltung der Form Humanität zeige.
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