Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.09.2003
Von der amerikanischen Dichterin Marianne Moore wird ein sehr "widersprüchliches Bild" überliefert, schreibt Rezensent Jürgen Brocan: "puritanisch streng" und "schillernd" zugleich. Warum Moore trotz ihrer "konservativen" Haltung der vordersten Garde amerikanischen Moderne angehört, und warum ihr literarischer Einfluss bis in die heutige Zeit reicht, dafür liefere Eva Hesses "knappe, vorzügliche und auf Deutsch längst überfällige Einführung in Leben und Werk" überzeugende Erklärungen. Der Band, so der Rezensent, enthält einen "biografischen Abriss", einen Essay, in dem Hesse die Dichterin innerhalb der Moderne situiert und ihre "Stilprinzipien" erläutert. Im Besonderen geht der Rezensent auf Moores - ebenfalls im Band abgedrucktes - "längstes und ambitioniertestes" Gedicht "Die Ehe" ein, das "formal" auf T.S. Eliots "The Waste Land" antwortet, und das sich dadurch auszeichnet, dass "teilweise frei abgewandelter Zitate verschiedenster Provenienz" einmontiert werden, "die ohne Überleitung und ohne Rücksicht auf ihren Originalkontext antithetisch zueinander stehen". Gerade Moores eigene "ambivalente" Haltung, die zwischen dem Respekt vor der Ehe als Institution und der Skepsis in Hinblick auf ein mögliches Zusammenleben von Mann und Frau schwankt, mache das Gedicht zu "einer großen ironischen Abrechnung mit patriarchalischen Ansichten im Gewande einer kühnen Komposition des Sprachmaterials".
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