Aus dem Englischen von Joachim Kalka. 31 Essays, die von einer selten großen Breite des Wissens, der Belesenheit und des Nachdenkens zeugen. Sie handeln von Demokratie und Dekadenz, analysieren Betrug in den Wissenschaften und die modernen Massenmedien, denken nach über Krieg und das Jahrhundert des Holocaust, doch auch die Musik, der Begriff des Schönen oder des Klassischen sind Gegenstände dieser oft gerühmten Prosa. Reflexionen voller Skepsis - mal ernst und äußerst polemisch, doch auch unterhaltend, immer aber aufregend. Erwin Chargaff, dessen Leserschaft von Buch zu Buch zunimmt, erweist sich auch mit diesem neuen Werk als einer der anregendsten Publizisten in deutscher Sprache.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.08.2000
Fritz Göttler weist zunächst darauf hin, dass das Buch in Amerika bereits 1986 erschienen ist, allerdings kaum ein Band verkauft wurde, weil der Verlag gleich pleite gegangen ist. Dies scheint jedoch kaum an diesem Buch gelegen zu haben, zumindest kann der Rezensent ihm doch so einiges abgewinnen - auch wenn Leute, die gerne in klassifizierenden Kategorien denken, ihm "Kulturpessimismus" attestieren würden, so Göttler, der dem Leser diesem Begriff damit allerdings erst an die Hand gibt. Davon abgesehen erfährt man in dieser Rezension, dass Chargaff den Charakter von Wörtern untersucht - wie sie klingen, welche Bewegung sie suggerieren, was man damit verbindet: als Beispiel nennt er "Quintessenz", ein Wort, das Chargaff ganz besonders gut gefällt, oder auch Zauberflöte, Amateur, Labyrinth oder Demokratie. Göttler diagnostiziert dabei Tonfälle von "mildem Sarkasmus und (...) heftigem Zynismus" und fühlt sich bisweilen sogar an Karl Kraus erinnert. Ob der Autor die zitierten Begriffe jedoch ausschließlich in englischer Sprache untersucht oder ob es sich hier um Übersetzungen handelt, erfährt der Leser jedoch nicht.
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