"Die verschenkte Reform" behandelt den Neuaufbau der Hamburger Polizei nach dem Zweiten Weltkrieg. Dabei geht es um die Frage, warum die Pläne der Briten gescheitert sind, nach 1945 eine dezentrale, in die Bevölkerung eingebundene, unabhängige und in jeder Hinsicht neutrale zivile deutsche Polizei zu schaffen. Die oft als Ursachen für den Misserfolg genannten weiterbestehenden Einflüsse des Nationalsozialismus verneint der Autor für Hamburg. Die hier von den Briten eingesetzten Polizeiführer waren überzeugte Demokraten, die ab 1933 politisch gemaßregelt und verfolgt wurden, jedoch von ihren Berufs- und Lebenserfahrungen insbesondere während der Weimarer Republik geprägt waren.
Mit einer "überraschenden These" wartet Erwin B. Boldts Buch über die Reform der Hamburger Polizei nach 1945 auf, findet Rezensent Otto Diederichs. Entgegen den gängigen Erklärung, wonach der Misserfolg bei einer grundlegenden Polizeireform in Deutschland im Fortwirken nationalsozialistischer Einflüsse zu suchen sei, zeige Boldt, dass sich vor allem das Fortleben preußisch-obrigkeitsstaatlicher Tradition negativ auswirkte. So setzten die Briten für die Reorganisation der Polizei in Hamburg vor allem Polizeiführer ein, die überwiegend überzeugte Weimarer Demokraten waren und 1933 von den Nazis aus der Polizei entfernt worden waren, berichtet Diederichs. Allerdings waren diese Polizeioffiziere durch den kommunistischen Oktoberaufstand von 1923 geprägt. Anhand ihrer Biografien könne Boldt zeigen, dass die Berufs- und Lebenserfahrungen dieser Polizeiführer während der Weimarer Republik wesentlich für das Scheitern der Reform verantwortlich war.
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