Erri De Luca

Ich bin da

Roman
Cover: Ich bin da
Rowohlt Verlag, Reinbek 2004
ISBN 9783498039134
Gebunden, 128 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Annette Kopetzki. Ich bin da" erzählt vom Abschied von der Kindheit. Mit einer selten gewordenen Leichtigkeit und Eleganz zeichnet der Roman die ersten tastenden Schritte der Selbstvergewisserung eines 13-jährigen nach. Mit dem Eintritt in eine Lehre als Schreinergehilfe beginnt der Junge dazuzugehören zur großen Arbeits- und Männerwelt. Das macht ihn stolz, und es gibt ihm auf eine kindliche, ursprüngliche Art Kraft, die er auf einen ihm von seinem Vater geschenkten Bumerang überträgt. Mit ihm in der Hand meint er, selbst fliegen zu können.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.07.2004

Rezensent Steffen Richter sieht subtile Qualitäten in Erri De Lucas neuem Buch: "Nicht alles ist in diesem Roman so klar, wie es scheinen will." Auch wenn Gut und Böse unter den Charakteren deutlich verteilt seien, so werde doch das "poetische Funkeln" des Romans von Mehrdeutigkeiten durchzogen, die "hinter der manichäischen Fassade" schillerten. Richter erkennt auch im 24. Psalm den Schlüssel zu dieser Erzählung ("Wer wird auf des Herrn Berg gehen, und wer wird stehen an seiner heiligen Stätte? Der unschuldige Hände hat und reinen Herzens ist"), die keineswegs eine Adoleszenzgeschichte "nach dem Leben" sei, sondern vielmehr eine "Allegorie". De Luca, der sich neben außerparlamentarischer Opposition auch mit Bibelkunde beschäftigte, mache Anspielungen auf das Alte Testament, die für Steffen Richter "nicht zu übersehen" sind. Besonders lobt Richter wie dem Neapolitaner De Luca das Italienisch zur "Kunst-Sprache" werde.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.04.2004

Jutta Person hat dieser Roman des italienischen Autors Erri de Luca in weiten Teilen gut gefallen. Es geht um einen 13-jährigen Jungen, der im Armenviertel Neapels in den 50er Jahren aufwächst und in einer Schreinerwerksatt eine Lehre beginnt, fasst die Rezensentin zusammen. "Dreh- und Angelpunkt" der Handlung ist ein "Bumerang", den der jugendliche Erzähler von seinem Vater geschenkt bekommt, erklärt sie weiter. Die "verschrobenen Gestalten" der Schreinerwerksatt und insbesondere ein dort ebenfalls arbeitender buckliger Schuster, der davon träumt, nach Jerusalem auszuwandern, eröffnen eine "märchenhafte" Welt die zwischen Realität und Poesie schwebt und dennoch nicht ins "Kitschige" abgleitet, findet Person angetan. Der "naive Blick" des Protagonisten tauchen seine Beobachtungen häufig ins "Burleske" und das Leben im Armenviertel wird in "durchkomponierten" Passagen beschrieben, lobt sie. Nur die etwas "überstrapazierte" Lust an der Entdeckung der Sexualität findet nicht Persons Gefallen und sie moniert, dass hier die "kindliche Perspektive" des Erzählers ihre "Kraft einbüßt". Ansonsten aber lobt sie De Lucas "dichte Beschreibung" einer Jugend in Neapel, wobei sie sich besonders für die Darstellung der "feinen Unterschiede" zwischen der italienischen und der neapolitanischen Sprache interessiert, die in dem Roman auch thematisiert werden.
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