Antonio Scurati

Das Kind, das vom Ende der Welt träumte

Roman
Cover: Das Kind, das vom Ende der Welt träumte
Rowohlt Verlag, Reinbek 2010
ISBN 9783498064037
Gebunden, 344 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Suse Vetterlein. Nacht für Nacht träumt ein Kind vom Ende der Welt. Das Kind sucht das Feuer, es ist Schlafwandler. 30 Jahre später erlebt der junge Mann, der seine Kindheit mit diesen Albträumen verbrachte, wie eine Stadt in Angst und Schrecken versinkt. Kinder und Eltern beschuldigen Lehrer und Erzieher des sexuellen Missbrauchs in Kindergärten und Schulen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.10.2010

Antonio Scuratis Roman "Das Kind, das vom Ende der Welt träumte", der von den Folgen einer sensationslüsternen Berichterstattung über sexuellen Missbrauch erzählt, hat Annika Müller nicht kalt gelassen. Sie liest das Buch des Medienphilologen und Journalisten als kritische Auseinandersetzung mit der Medienzunft, die aus Quotengier mit reißerischer Berichterstattung über dieses Thema archaische Ängste schürt und eine Atmosphäre gegenseitiger Verdächtigung erzeugt. Bei aller Zustimmung stellt sich ihr die Frage, ob der Autor mit seiner Medienschelte nicht die Aufklärungsarbeit der Getadelten vergisst. Zwar hebt sie hervor, dass man Scurati nicht vorzuwerfen kann, Missbrauch zu banalisieren. Aber nach ihrem Empfinden lässt er die Leser mit "äußerst gemischten Gefühlen" zurück. Dass Scurati sein Plädoyer für mehr Besonnenheit in dieser kontroversen Debatte zum Teil in ein "sinnbetäubendes sprachliches Getöse" packt, findet die Rezensentin "hochgradig verstörend". Andererseits ist es für sie eben dieser Effekt, "der die Qualität seines Buches ausmacht".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.10.2010

Franz Haas erinnert sich an die erbitterte Debatte, mit der 2009 in Italien um Antonio Scuratis Roman "Das Kind, das vom Ende der Welt träumte" gestritten wurde. Von vielen Seiten wurde dem Roman die literarische Qualität abgesprochen, von Umberto Eco wurde er aber für seine "Aktualität" gepriesen. In der Geschichte über eine beispiellose Medienjagd auf drei Kindergärtnerinnen, die der Pädophilie verdächtigt werden, sucht man nach sprachlichen Vorzügen tatsächlich umsonst, muss der Rezensent zugeben. Dass er dem Buch trotzdem einiges abgewinnen kann, liegt an seiner - wie Haas findet: bestechenden - Darstellung einer "Massenpsychologie des schleichenden Faschismus", die die italienische Medienlandschaft prägt. Der Autor wisse als Medienexperte genau, "wovon er schreibt", und hat zudem seine Geschichte an einen tatsächlichen Fall von 2007 angelehnt, betont der Rezensent. Die wenig ansprechende Textgestalt, die Haas streckenweise gar an einen medientheoretischen oder soziologischen Text erinnert, wirkt auf den Rezensenten geradezu absichtsvoll, und er überlegt, ob der Autor hier nicht vorzuführen sucht, wie die "schöne Literatur" an der "hässlichen Wirklichkeit" zerschellt.

Themengebiete


Beliebte Bücher

Angelika Klüssendorf. Trost - Roman . Piper Verlag, München, 2026.Angelika Klüssendorf: Trost
2022. Angelika Klüssendorf erzählt von Liebe, Entzweiung und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Rita, Meisterin darin, sich in die falschen Männer zu verlieben, fällt plötzlich…
Christine Wunnicke. Wachs - Roman. Berenberg Verlag, Berlin, 2025.Christine Wunnicke: Wachs
Schauplatz ist Frankreich im 18. Jahrhundert, das vorrevolutionäre und das überaus revolutionäre. Und es lieben sich zwei Frauen, die verschiedener nicht sein könnten: Marie…
Petra Morsbach. Orion - Roman . Penguin Verlag, München, 2026.Petra Morsbach: Orion
Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen…
Szczepan Twardoch. Sehnsucht - Roman. Rowohlt Berlin Verlag, Berlin, 2026.Szczepan Twardoch: Sehnsucht
Aus dem Polnischen von Olaf Kühl. Erwin Piontek, Bergmann im Ruhestand, geht seinen Lebenstraum - eine Weltumseglung - bescheiden an: im Boot auf einem Stausee. Doch während…