Herausgegeben von Heiner Boehncke und Hans Sarkowicz. Dr. Ernst Büchner, Arzt und Vater Georg Büchners, stellte mit sich und seinen Patienten Versuche an, um sein medizinisches Wissen zu vergrößern. Darüber berichtete die "Allgemeine Literatur-Zeitung" unter der Überschrift "Versuchter Selbstmord durch Verschlucken von Stecknadeln vom Assessor Dr Büchner": "Ein interessanter Fall, der abermals, wie fast alle ähnliche, ein junges Mädchen betraf. Es waren im Ganzen 95 Nähnadeln, 82 Stecknadeln und eine Stopfnadel abgegangen; und von noch 166 Nadeln blieb es ungewiß, ob sie wirklich ausgeleert worden, oder nicht." Diese lange verschollenen Texte zeigen nicht nur mögliche Vorlagen für das literarische Werk Georg Büchners, sonder erlauben Einblicke in die Medizin der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.03.2013
Mit großem Interesse hat Rezensent Hubert Spiegel die nun pünktlich zum Jubiläumsjahr Georg Büchners von Heiner Boehncke und Hans Sarkowicz erstmals seit 1823 herausgegebene medizinische Aufsatzsammlung des Büchner-Vaters Ernst gelesen. Fasziniert liest er etwa den titelgebenden Aufsatz "Versuchter Selbstmord durch Verschlucken von Stecknadeln", in dem Ernst Büchner akribisch, wissenschaftlich und zugleich mit publizistischem Streben den Fall der eigensinnigen Catharina D. notiert, die zunächst dreißig, später dreihundert Stecknadeln verschluckt, um ihrem depressiven Leben aus Liebeskummer ein Ende zu setzen. Der Kritiker liest hier nicht nur von den zweifelhaften medizinischen Versuchen des Vaters - er mischte einem Hund etwa Stecknadeln unters Futter, um ihm schließlich den Bauch aufzuschneiden -, sondern erhält auch interessante Einblicke in Georg Büchners schwieriges Verhältnis zu seinem Vater: In "Woyzeck" habe Büchner beispielsweise die menschenunwürdigen ernährungsphysiologischen Experimente seiner Zeit verarbeitet, so der Rezensent, der in diesem Buch mehr als nur eine "Petitesse" der zahlreichen Büchner-Publikationen sieht.
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