Wie finden Nationen nach traumatisierenden Geschehnissen wieder zu sich? Wer entscheidet über die Deutung vergangener Vorgänge, wer schreibt deren Geschichte, und was folgt daraus für die Gegenwart? Mit diesen Fragen im Gepäck bereiste Erna Paris die USA mit ihrer lange verschütteten Erinnerung an Sklaverei und Rassenhass; Südafrika mit seiner Wahrheitskommission, die die Wunden der Apartheid zu heilen sucht; Japan, Deutschland und Frankreich mit der unentrinnbaren Allgegenwart von Hiroshima, Holocaust und Kollaboration; und das ehemalige Jugoslawien, wo sie die zynische Manipulation historischer Erinnerung entlarvt, die in eine Orgie der Gewalt mündete.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 07.05.2001
Konrad Watrin gibt zu, dass das Buch mit Reiseeindrücken durch Länder, deren Geschichte besonders durch Gewalt und Rassismus geprägt waren, "sehr amerikanisch" ist. Das macht er am "subjektiv-impressionistischen Moralansatz" genauso fest wie an einer gewissen Oberflächlichkeit, die er insgesamt entdeckt hat. Auch stilistisch findet er einiges gar zu schwammig, wobei er nicht weiß, wieviel davon der Übersetzung geschuldet ist. Doch lobt der Rezensent die kanadische Autorin dafür, keine "Spur von Ressentiment" zu zeigen und - besonders in den Passagen, die sich mit der deutschen Vergangenheit beschäftigen - in ihren Gesprächen mit den Nachkommen von Tätern und Opfern einen "Nerv" zu treffen. Watrin bescheinigt der Autorin, ein "bewegendes Bild" von Vergangenheitsbewältigung zu zeichnen und bemerkt anerkennend ihre "wertvolle Detailarbeit".
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