Klappentext

Erika Sulzer-Kleinemeier ist Bildjournalistin, nicht Fotografin ? Man könnte von dokumentarischer Fotografie sprechen, doch es mangelt den Bildern von Sulzer-Kleinemeier an der distanzierten Objektivität, die man oft mit dem Dokumentarismus verbindet. Ihr engagierter Blick selektiert bewusst und richtet sich auf das, was buchstäblich in den Fokus unserer Aufmerksamkeit rücken soll. Viele ihrer Arbeiten reflektieren das Medium Fotografie, indem sie dessen Repräsentationsmechanismen in die Aufnahme integrieren.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.06.2008

Als "seltsam anregendes Bilderbuch" und Einladung zur Überprüfung der eigenen Vergangenheit feiert Rezensentin Renee Zucker diesen Bildband und warnt davor, sich von den zunächst wenig spektakulären Bildern täuschen zu lassen. Tatsächlich erschlösse sich manches Foto erst durch einen jener "ungemein sympathischen" Kommentare, die für Zucker zu den großen Qualitäten dieses Fotobuchs zählen. Aber auch Reiz und Bedeutung vieler Fotografien erschließen sich ihrer Ansicht zufolge erst nach genauer Betrachtung. Ob es sich um einen beunruhigten Adorno im Rahmen der Besetzung seines Instituts für Sozialforschung im Jahr 1969 oder den damaligen Chefredakteur Günter Gaus in lässiger Pose unter einem Uschi-Obermaier-Poster im Jahr 1971 handelt: oft können die Fotos die Rezensentin gerade deswegen bewegen und beeindrucken, weil aus einem Zeitalter vor Aufkommen der inszenierten Hochglanzfotografie stammen und im Zweifelsfall eigene Inszenierungen in Kommentaren offenlegen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.01.2008

Als besonderen "Glücksfall" preist Michael Jeismann, wenn in der Pressefotografie die Momentaufnahme mit einer dauerhaften Dokumentation zusammenfällt, die Geschichte lebendig hält, und genau das sieht er in den Fotografien der für Magazine wie "Spiegel" und "Stern" tätigen Pressefotografin Erika Sulzer-Kleinemeier gegeben. Der Fotografin gelinge es, historische Augenblicke in all ihrer Widersprüchlichkeit und Mehrschichtigkeit festzuhalten, durch das Interesse Sulzer-Kleinemeiers auf das Nebensächliche und scheinbar unwichtige Drumherum noch verstärkt, so der Rezensent fasziniert. Und nicht selten schaffen die Fotos ein tiefgründiges "Nachbild", etwa wenn Sulzer-Kleinemeier den jungen Helmut Kohl vor einem überlebensgroßen Adenauer-Plakat festhält, preist Jeismann, für den der vorliegende Bildband nicht zuletzt die Veränderungen in den letzten 40 Jahren in Deutschland eindrücklich dokumentieren und der damit den Betrachter zur tiefgründigen "visuellen Selbstbefragung" aufgerufen sieht.
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