Ernst Halters große Auswahl der Gedichte Erika Burkarts stellt exemplarisch das jahrzehntelange lyrische Schaffen der Dichterin vor, deren Entwicklung dem gängigen Muster - Aufbruch ins Ungewohnte, neuartige Diktion, Konsolidierung, Reife, Abgeklärtheit, Rückzug - widerspricht: Sie geht genau den umgekehrten Weg. "Lies beide Seiten" wird das Motto ihres Schreibens. Es berichtet von erhoffter Transzendenz des lebendigen Hier in ein uns nicht erkennbares, geahntes Dort, wo sich ein Sinn finden könnte. Wir leben auf einer planen Fläche und sind nichts als das Spiegelbild des Mysteriums unserer eigenen Existenz, das unseren Blicken undurchdringlich bleibt.Ihre großen Gedichte sind Spiegelschrift.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.06.2022
Rezensent Alexander Kosenina freut sich über diese Auswahl mit Gedichten der Schweizer Lyrikerin Erika Burkart. Interessant für heutige Leser ist Burkart laut Kosenina u. a. durch ihre Themen und Motive, die sich mit der Gefährdung der Natur durch den Menschen befassen. Naturlyrik ist das für Kosenina nicht, auch wenn er die Droste-Hülshoff in den seit den 1950er Jahren entstandenen Texten noch hier und da heraushört. Erstaunlich scheint ihm Burkarts Feingefühl für die Verletzlichkeit der Natur und die Beziehungen der Lebewesen untereinander. Selten, dass die Dichterin politisch wird oder gelehrt, stellt Kosenina fest.
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