1931 lieferte Erich Kästner seinem Verlag ein Manuskript mit dem Titel "Der Gang vor die Hunde": die Geschichte des arbeitslosen Germanisten Jakob Fabian, der durch das überhitzte Berlin der späten zwanziger Jahre streift, eine Stadt, die sich politisch und erotisch im Ausnahmezustand befindet. Der junge Kästner, der freche Shootingstar der Berliner Literatur-Szene, hatte in seinem ersten Roman alle Register gezogen. Das machte seinen Roman für den Verlag zu einem Sprengsatz, den das Lektorat mit spitzen Fingern entschärfte und der dann entgegen Kästners ursprünglicher Intention unter dem Titel "Fabian" erschien. Noch in der verharmlosten Fassung galt das Buch vielen als dekadent und obszön. Kästner selbst sagte dazu: "Dieses Buch ist nichts für Konfirmanden, ganz gleich, wie alt sie sind." Vom Kästner-Experten Sven Hanuschek Wort für Wort rekonstruiert und mit einem umfassenden Nachwort versehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.10.2013
Hernán D. Caro liest mit Neugier diese als Urfassung von Erich Kästners "Fabian" annoncierte, vom Kästner-Spezialisten Sven Hanuschek herausgegebene Ausgabe und stellt fest: Es handelt sich weder um eine historisch-kritische Ausgabe, wenngleich Varianten und Streichungen vermerkt sind, noch um einen grundstürzend neuen "Fabian". Enttäuscht ist Caro allerdings bei weitem nicht. Im Gegenteil, die immerhin um einige pikante Sätze und im Ganzen zwei Passagen reichere Edition gibt dem Rezensenten Gelegenheit, Kästners brillanten Stadtroman wieder zu lesen, als Märchen für Erwachsene oder freie Satire auf die letzten Weimarer Tage. Ganz nach Belieben, meint Caro, der den Roman jedenfalls als ein ergreifendes wie zutiefst menschliches Buch feiert.
Gerührt zeigt sich Rezensent David Denk von der naiven Mitmenschlichkeit des Helden in Erich Kästners nie publizierter Urfassung des Fabian-Romans. Beeindruckt ist er von Sven Hanuscheks Rekonstruktionsarbeit für diese Ausgabe. Doch auch wenn Kästner sich hier nicht als Kinderbuchonkel präsentiert, kann Denk den Text nicht als literarische Sensation verbuchen. Zu brav, zu altmodisch, wenngleich auch mitunter auf ungemütliche Art, wie Denk findet.
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