Eoin McNamee

Blue Tango

Roman
Cover: Blue Tango
C. H. Beck Verlag, München 2003
ISBN 9783406502637
Gebunden, 304 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Hansjörg Schertenleib. Ein authentischer Mordfall aus dem Jahre 1952 im nordirischen Belfast ist die Folie für Eoin McNamees Roman, einem Requiem für Unschuld und Unglück, und die Geschichte eines eklatanten Justizirrtums. Am 13. November 1952 wird die Leiche der neunzehnjährigen Patricia Curren in die Praxis des Familienarztes gebracht. Bei den nun einsetzenden Ermittlungen gelingt es den Beteiligten offenbar, alles zu vertuschen. Da sind die Gerüchte über Patricias Promiskuität, die unglückliche, ewig mit ihrer Ehe, aber auch mit der Tochter hadernde Mutter, der übermächtige und gleichzeitig hochverschuldete Vater, Richter Curren, der die Familie in ihrem düsteren Haus einsperren will, und schließlich der Bruder, am Tag Anwalt und nachts ein religiöser Eiferer, der sich geißelt und von der Mutter vergöttert wird. Verurteilt aber wird Iain Hay Gordon, ein junger Soldat, der kein Alibi hat. Erst im Jahr 2000 wird das Fehlurteil gegen ihn aufgehoben ?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.06.2003

Mit diesem Buch dürfte sich der irische Autor in gewissen britischen Kreisen wenig Freunde machen, befürchtet Martin Schmitt. Eoin McNamee greift in seinem zweiten Roman einen Justizskandal aus dem Jahr 1952 auf: die Tochter des Generalstaatsanwaltes von Nordirland wurde ermordet und ein homosexueller Wehrpflichtiger für die Tat verurteilt, berichtet Schmitt die wesentlichen Fakten. Das Interesse McNamees kreist um das ermordete Mädchen, er versuche zu eruieren, was kein Aktenstudium preisgibt: die Ängste der anderen, die frauenfeindlichen Phantasien, den Schwulenhass, die politischen Intrigen, die Heuchelei, ein Netz von Halbwahrheiten, ein bigottes System, das zur Ermordung des Mädchens und zur Vertuschung des Mordfalls beitrugen. Es handele sich nicht um einen klassischen Kriminalroman, erklärt der Rezensent, dem Autor sei es nicht wirklich um die Aufklärung des Falls zu tun, sondern um eine Sondierung des Lügengewebes, und dadurch bekäme der Roman einen Hauch schwarzer Romantik, wie man sie aus den klassischen Gothic Novels kenne.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 29.04.2003

Wie hat man sich einen Hang zur "kontemplativen Metapher" vorzustellen? Andreas Merkel liefert gleich ein Beispiel nach, das den Lesern eine Ahnung gibt, was gemeint sein könnte: "ihr Atem hing in der Luft wie die Spur eisiger Tugend, der sie abgeschworen hatte", zitiert der Rezensent den Autor. Es geht in McNamees Roman, der einen authentischen Kriminalfall und Justizskandal aus den fünfziger Jahren in Nord-Irland aufgreift, vor allem um angebliche Tugendhaftigkeit, bigotte Moral, eine korrupte Justiz, ein tristes gesellschaftliches Klima, in dem die eigenwillige Richtertochter die Verhältnisse herausfordert und grausam zu Tode kommt. Der Roman besitzt alle bekannten Ingredienzien des klassischen Kriminalfalls, schreibt Merkel, und doch lasse man sich diese gerne detailliert schildern, wenn es so gekonnt wie bei McNamee geschehe. Ständig wechsele die personale Erzählperspektive und lasse so den Leser die Mosaiksteine selber zusammentragen. Im übrigen, fügt Merkel hinzu, ist der Roman ganz hervorragend übersetzt.