"Jahrhundertwenden": 1979: In Westeuropa treibt der Terrorismus der extremen Linken schlimmste Blüten. Eine Gruppe ehemaliger Mitglieder der Internationalen Brigade aus dem Spanischen Bürgerkrieg, geplagt vom Rheuma und noch immer nicht geheilt von ihren Illusionen, zieht noch einmal in den Kampf gegen eine faschistische Bande, die Tod und Verderben sät. Ein grandioser, grausamer Feldzug voll Blut und Pathos beginnt... In eben jenem Jahr wurde "Der Schlaf der Vernunft" veröffentlicht. 1983: In der UdSSR gelangt die Realisierung des Sozialismus zum Stillstand. In einer verschneiten Datscha findet sich eine geschlossene Gesellschaft zusammen, bestehend aus Führungsfiguren der "sozialistischen Bruderländer". Um das Heraufziehen dessen, was sie noch immer als "leuchtende Zukunft" bezeichnen, zu sichern, schrecken sie nicht vor Polit-Morden zurück... "Treibjagd" erscheint in einem historischen Moment, als die Greise im Politbüro einer nach dem anderen abtreten. 1990: Die Mauer fällt, das Sowjetimperium bricht zusammen, die bleierne Zeit ist beendet, ebenso der Kalte Krieg, die überkommenen Ideologien verblassen, ihre Vertreter sind nur noch Schatten, dem Vergessen anheim gegeben... In "Epitaph" endet ein schreckliches Kapitel der Menschheitsgeschichte in Schweigen.
Oliver Ristau schäumt nicht gerade über vor Begeisterung über die Wiederauflage dieser beiden Comic-Klassiker in einem Band, aber zu schätzen weiß er sie schon. In "Schlaf der Vernunft" erzählen Pierre Christin und Enki Bilal von Mitgliedern einer Internationalen Brigade aus dem Spanischen Bürgerkrieg, die sich nach mehreren Jahrzehnten wieder zusammenschließen, um die wieder aufgetauchten Falangisten zu bekämpfen. In "Treibjagd" lässt das Autorenduo die Führer der Ostblockstaaten zusammenkommen, die sich auf recht stalinistische Art von den letzten Anhängern des Stalinismus verabschieden. Ristau lobt die grafische Arbeit vor allem der "Treibjagd", sehr gut gefallen ihm hier die "blutdurchströmten Dampfbäder", der "Schlaf der Vernunft" erscheint ihm ein wenig hölzern und konstruiert, auch wenn ihm die bildnerischen Anklänge an Goya nicht entgangen sind. Übel scheint der Rezensent den Autoren zu nehmen, wie hoch sie selbst im Nachwort zu diesen beiden Visionen über den Niedergang linker Utopien ihre prophetischen Qualitäten einschätzen.
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