Emmanuelle Pagano

Bübische Hände

Roman
Cover: Bübische Hände
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2011
ISBN 9783803132369
Gebunden, 139 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Nathalie Mälzer-Semlinger. Vier Frauen sprechen in diesem Roman mit sich selbst. Sonst wird geschwiegen. Dabei weiß eigentlich die ganze Stadt Bescheid. Die junge Putzfrau tut ihre Arbeit klaglos und gut gelaunt. Gleichwohl scheint sie ein Geheimnis mit sich herumzutragen. Von der Gattin des reichen Winzers, die an seltsamen Ohrenschmerzen leidet, wird die Putzfrau beargwöhnt, gar beneidet. Bei einer anderen Frau löst sie die Erinnerung an eine lange zurückliegende, kindliche Tat aus, an der auch ihr Sohn beteiligt war. Eine dritte Frau spricht: eine pensionierte, gehörlose Lehrerin, die im Altersheim lebt und mitunter von eben der Frau gepflegt wird, deren Stimme sie dreißig Jahre zuvor nicht hören wollte. Und zuletzt meldet sich ein zehnjähriges Mädchen zu Wort, das schwer an einem Erlebnis trägt, von dem niemand wissen will. Mit sorgfältig gewählten Worten beschreibt Emmanuelle Pagano das lebenslange Kreisen um eine unsägliche Tat. Es geht um (kindliche) Grausamkeit und Schmerz, um Vergessen und schuldhaftes Schweigen, um Gleichgültigkeit und Lebenslügen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.08.2011

Düster brillant findet Georg Renöckl diesen Roman von Emmanuelle Pagano. So deutlich dem Rezensenten der Landstrich der Ardeche und seine Bewohner in diesem Buch vor Augen stehen, während der Text den sexuellen Missbrauch und die Ausgrenzung als Kindheitstraumata in einer Trias aus Natur, Leid und Schreiben (als Überlebensmittel) entwickelt, so fraglos geht das Buch für ihn über den konkreten Fall hinaus und erhält allgemeine Gültigkeit. Überzeugt zeigt sich der Rezensent auch von der radikalen Offenheit, mit der die Autorin Tabus anspricht. Die von ihm gelobte "sensible" Übersetzung hat sicherlich ihren Anteil daran.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.07.2011

Emmanuelle Paganos Roman "Bübische Hände" hat bei Jutta Person gemischte Gefühle ausgelöst. Im Mittelpunkt sieht sie die Leidensgeschichte von fünf Frauen, eine Geschichte von verdrängtem Missbrauch und sexueller Gewalt. Das Ganze strotzt für sie nur so von "quälender Körperlichkeit", die sie an die Selbsterfahrungsliteratur der siebziger Jahre erinnert. Auch wenn sie sich zeitweise mitreißen lässt vom "lapidaren" Stil der Autorin, scheint sie sich nicht sicher, ob es sich bei dem Werk um "psychologische Kolportage" oder um "subtile Verdichtungskunst" handelt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.05.2011

So ganz überzeugt ist Rezensentin Anja Hirsch von "Bübische Hände", dem dritten, ins Deutsche übersetzten Roman der französischen Autorin Emmanuelle Pagano, nicht. Dabei findet Hirsch zunächst wohlwollende Worte für Paganos in vier Monologen geschilderte Missbrauchsgeschichte: dem Schweigen über die vergangenen und aktuellen sexuellen Übergriffe, von denen die vier Frauen, teils Opfer, teils Mittäter, hier schamvoll, rechtfertigend und nur andeutungsweise berichten, sei die elliptische Erzählform, der Verzicht auf einen roten Faden, durchaus angemessen. Auch gelinge es der Autorin eine "sinnlich-verstörende", nie voyeuristische Bildwelt zu schaffen, etwa wenn sie von den "Spinnfäden der Seidenraupen" schreibe, die zugleich verführen und Ekel hervorrufen oder wenn sie ein zehnjähriges Mädchen die unerklärlichen, traumatischen Eindrücke in magischen Gegenwelten verarbeiten lasse. Bedauerlicherweise mangele es den vier einzelnen Teilen der Geschichte aber an "sinnvoller" Verknüpfung und auch an den enttäuschend blassen Protagonistinnen verliert die Kritikerin leider bald das Interesse.
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