Aus dem Französischen von Claudia Hamm. Alles ist wahr: 2004 wurde Emmanuel Carrère Zeuge der Tsunami-Katastrophe. In den Trümmern des Desasters lernte er ein junges Paar kennen, dessen Tochter von der Welle fortgerissen wurde. Carrère kümmert sich um die verwaisten Eltern - und beginnt ihre Geschichte zu schreiben. Zurück in Paris, umlagert das Unglück weiter Carrères Leben: Seine Schwägerin stirbt und lässt drei Kinder zurück. In der Trauer blitzen Erinnerungen auf, fließen Erzählungen von Freunden und Verwandten zusammen, die Hoffnung und Stärkung verheißen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 01.07.2014
Thomas Laux ist schwer gelangweilt von diesem Roman von Emmanuel Carrère. Von erzählerischer Ökonomie, meint er, will der Autor nichts wissen und quält den Leser so mit einer nervtötenden, weil unverständlichen Mixtur aus autobiografischem Material, nämlich traumatischen Erfahrungen mit dem Tsunami auf Sri Lanka, den Spitzfindigkeiten des französischen Strafrechts und der Leidensgeschichte einer Krebskranken. Für Laux fügt sich das alles nicht zusammen, auch nicht unter der Rubrik "Flüchtigkeit allen Seins", die ihm der Autor offenbar mit auf den Lektüreweg gibt. Ein außerordentlicher, ein zwingender Text, findet Laux, sieht anders aus.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.04.2014
Eigentlich findet Joseph Hanimann Carrères Beobachtungskunst ganz wunderbar. Wie der Autor in Kombination mit Einfühlung und Ausmalung gänzlich unsentimentale und nicht voyeuristische Eindrücke von der Tsunami-Katastrophe 2004 in Südostasien und Einzelschicksale aus seiner französischen Heimat verknüpft, scheint ihm den Realismus dieser Prosa zu potenzieren. Leider, meint Hanimann, kennt der Autor keine Grenzen und verknüpft schließlich sogar die Brüste des Autoren- und Erzähler-Ichs mit dem Unglück. Ein bisschen pervers ist das schon, findet der Rezensent.
Ulrich Rüdenauer entkommt dem Pathos Carrères nicht und findet in seiner Kritik auch gute Gründe dafür. Als Roman würden diese Geschichten aus Sri Lanka nach dem Tsunami (den Carrère durch Glück überlebte) und die Geschichte seiner krebskranken, im Alter von 33 Jahren an Krebs gestorbenen Schwägerin nicht aufgehen, so der Rezensent, das wär' ihm " zu viel Unglück, zu viel Krebs, zu viel Erkenntnis". Aber es sind Recherchen - "Alles ist wahr" - und darum, so macht Rüdenauer deutlich, ist dieses Buch nicht kitschig, sondern wahrhaftig, oder, in Rüdenauers Worten: "gehörig stranger than fiction".
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