Walburga Hülk

Victor Hugo

Jahrhundertmensch
Cover: Victor Hugo
Matthes und Seitz, Berlin 2024
ISBN 9783751820332
Gebunden, 500 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Hunderttausende feierten am 26. Februar 1881 auf den Straßen von Paris den 79. Geburtstag einer Ikone, die Avenue d'Eylau, die bald in Avenue Victor Hugo umbenannt werden sollte, war erfüllt von den Rufen der Menge: "Vive Victor Hugo! Vive la République!" Wer so bejubelt wird, dessen Leben kann keineswegs nur eine Sache des Papiers sein. Walburga Hülk erzählt von Schicksal und Mythos des grand homme Victor Hugo als Intellektuellem, Schriftsteller und vielfach begabtem Künstler - und von seinen Visionen und Widersprüchen. Er liebte Pomp und Pathos, in seinen Büchern aber, allen voran "Les Misérables", die zu Klassikern der Populärkultur wurden, erzählte Victor Hugo vom ganzen Leben. In der Biografie Victor Hugos zeichnet Walburga Hülk das Bild eines Menschen und Autors zwischen Freiheit und Exil - das zugleich die Geschichte Frankreichs im 19. Jahrhundert birgt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.05.2025

Wirklich glücklich wird Rezensent Andreas Kilb nicht mit Walburga Hülks Victor-Hugo-Biografie. Hülk beschreibt Hugos Leben von der problembehafteten Kindheit über die ersten literarischen Erfolge bis hin zur Wende im Leben des Autors im Jahr 1951, als er nach Louis-Napoléon Bonapartes Putsch nach England auswandert und zum literarischen Gewissen des republikanischen Frankreichs wird. Süffig wie ein Hugo-Roman liest sich das laut Kilb, demzufolge es Hülk darum geht, sich selbst, aber auch den Lesern das Werk Hugos zu erschließen. Erstere Ambition kommt, findet Kilb, letzterer gelegentlich in die Quere, Hülk ist schlichtweg zu bezaubert von Hugo und dessen Büchern, ihr fehlt es an kritischer Distanz. Besonders auch, was den Lebenslauf des Autors angeht, etwa wenn die Autorin dessen notorisches, patriarchalisches Weiberheldentum als Virilität glorifiziert wird. Auch über Hugos literarische Qualitäten würde Kilb strenger urteilen als Hülk. Die Ambition Hülks, das bis auf einige Leuchttürme wie "Der Glöckner von Notre-Dame" heute kaum noch bekannte Werk Hugos wieder bekannter zu machen, leidet jedenfalls unter dieser zu wenig gebändigten Begeisterung der Autorin für ihren Gegenstand, findet Kilb.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 14.01.2025

Rezensent Hans von Trotha scheint infiziert von Walburga Hülks "opulenter" Hugo-Biografie, Hugo zu lesen scheint ihr nach dieser Lektüre zwingend. Hugo in seiner Zeit und die Epoche der Romantik in Hugo zu spiegeln, gelingt der Autorin laut Trotha überzeugend, auch wenn der Band durchaus maßlos ist, wie der Rezensent zugibt. Atemlos folgt er der umfassenden Darstellung ins Paris des 19. Jahrhunderts zu Triumphen und Niederlagen des Tausendsassas Hugo und zu dessen Verständnis von Recht und Gerechtigkeit. Auch wenn die Frage der Selbstwahrnehmung des Genies offenbleibt, möchte Trotha das Buch dringend empfehlen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.01.2025

Victor Hugo ist für den Rezensenten Alain Claude Sulzer das "Ideal des modernen Intellektuellen", so ist er froh, dass sich die Romanistin Walburga Hülk der Aufgabe angenommen hat, die erste große deutsche und noch dazu sehr überzeugende Biografie des Autors zu schreiben. Der Autor von Welterfolgen wie "Les Misérables" wird uns von Hülk sowohl in Bezug auf sein privates als auch sein öffentliches Leben nähergebracht, er war gerade zwanzig Jahre alt, als er eine Jahrespension vom König erhielt, sein Theaterstück "Hernani" löste wenig später eine "unausweichliche Saalschlacht" aus, erfahren wir. Wie Sulzer lernt, war er schon mit 40 Mitglied der "Académie", musste aber auch zwanzig Jahre im Exil leben und hat seine Tochter früh verloren. Den deutschen Leserinnen und Lesern dieses große Leben zu schildern, ist das Verdienst Hülks, das sich für den Kritiker kaum genug loben lässt.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 04.01.2025

Tilman Krause fühlt sich von Walburga Hülks Hugo-Biografie, der ersten auf Deutsch, daran erinnert, dass das 19. Jahrhundert das Maß aller Dinge ist und Hugo ein Gigant, den es wiederzuentdecken lohnt. Die Autorin erweist sich laut Krause als Kennerin nicht nur des Werks, sondern auch der Epoche und der französischen Kulturgeschichte. Spannend und gut strukturiert findet Krause das Buch, Hugo, sein Werk und seine Zeit treten "gestochen scharf" daraus hervor, versichert er. Eins nur hat Krause zu bemängeln: Die Autorin ist ihrem Gegenstand zu nah, liebt und verehrt ihn und übersieht dabei mitunter seine weihevolle, unfreiwillig komische Seite.

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