In der Übersetzung von Hilda Westphal und mit einem Nachwort von Gertrud Lehnert. Die schillernde Welt eines Pariser Modepalastes mit all seinen Facetten - von der Architektur, über das Sozialgefüge der Angestellten und den ausführlichen Mode- und Interieurbeschreibungen bis hin zu den Auswirkungen auf den gewachsenen Mikrokosmos eines Stadtviertels. Und - für Zola ungewöhnlich - auch die Liebesgeschichte mit Happyend fehlt nicht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.09.2002
Der Anlass dieser Rezension ist nicht die Neuauflage des Buches, sondern der 100. Todestag seines Autoren, des Franzosen Emile Zola. In seinem Roman geht es um die Analyse von Konsummechanismen, verbunden mit der Frage, was das Verhältnis der Geschlechter mit diesen Mechanismen zu tun hat. Und obwohl seine Sicht auf diese Dinge natürlich von der Zeit, in der er lebte, bedingt und damit teilweise etwas unzeitgemäß ist, entdeckt der Rezensent Dietmar Schings in dieser Geschichte doch eine Menge Spannendes. Um diese interessanten Aspekte herausarbeiten zu können, liefert der Rezensent selber einen umfangreichen und spannenden kulturhistorischen Abriss über das Entstehen der Konsumkultur, über den Zusammenhang mit den damals sehr populären Weltausstellungen, über die Rolle von Kaufhäusern und die Funktion von Schaufenstern. Die wesentlichste Leistung des Romans sieht er darin, dass der Autor beschreibt, wie "die Kunst in den Dienst des Kaufmanns tritt: im Kern sind in dieser Szene alle Komponenten versammelt, die von nun an die Inszenierung der Warenwelt bestimmen werden". Es gibt aber auch einige Aspekte, die der Rezensent an Zolas Analyse problematisch findet. Zum Beispiel findet der, dass einige ökonomische Aspekte dieser entstehenden Warenwelt in seiner Erzählung zu Unrecht dadurch entschärft werden, dass sie dem Geschlechterverhältnis untergeordnet werden. Das wird dadurch verstärkt, dass "Zola den im Kaufhaus ausgetragenen ökonomischen Geschlechterkampf mit einer melodramatischen Liebesgeschichte verschränkt". Alles in allem ist der Rezensent aber beeindruckt von Zolas Weitsicht, mit der der Autor das "Ein-mal-eins der modernen Konsumgesellschaft" vor dem Leser ausbreitet.
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