Aus dem Französischen von Caroline Gutberlet. Was ändert sich für uns Menschen, wenn wir uns nicht länger als Individuen betrachten, sondern als Teil des einen Lebens auf der Erde? Die Raupe baut einen Kokon, verwandelt sich in einen Schmetterling und verändert damit grundlegend ihre Form. Diese Beobachtung führt Emanuele Coccia zu der Annahme, dass auch der Mensch kontinuierlich Metamorphosen durchläuft: Der Fötus wird zum Erwachsenen, der sich am Ende seines Lebens in Atome auflöst und von anderen Lebewesen aufgenommen wird. Coccia verbindet Philosophie und Evolutionsbiologie in seiner Neuvermessung unserer Existenz. Und ermöglicht uns ein neues Verständnis davon, wie wir als Menschen mit der Welt verbunden sind.
Rezensent Leander Scholz kann Emanuele Coccias Lebensphilosophie der Verwandlung etwas abgewinnen. Als Gegenentwurf zu einem vom Verständnis der menschlichen Sonderstellung getragenen Selbstoptimierungsgedanken scheint Scholz Coccias Idee von der Kontinuität aller Lebensformen sympathisch. Die Vorstellung, dass wir eben keine vereinzelten Lebenwesen sind, sondern Gestalten der "Metamorphosen des Lebensstroms", findet Scholz bemerkenswert, zumal sie Befreiung von der Arbeit an der Identität und neue Lebenslust verspricht, wie er feststellt. Die Bezüge des Buches zu Ovid, zur Lebensphilosophie des 20. Jahrhunderts und zur frühen Umweltbewegung entgehen Scholz nicht.
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