432 Abgeordnete gehörten zwischen 1869 und 1918 der "Wahlkammer" des sächsischen Landtags an. Mit diesem Handbuch kann erstmalig ein wesentlicher Teil der sozialen und politischen Elite des Königreichs Sachsen durch detaillierte Biographien und bisher zumeist unveröffentlichte historische Photographien dokumentiert werden. Die Parlamentarier personifizieren das entscheidungsvolle letzte halbe Jahrhundert der Geschichte des Königreichs Sachsen und seines Landesparlaments, das sich in seiner Zusammensetzung gravierend von allen anderen deutschen Parlamenten ? einschließlich des Deutschen Reichstags ? unterschied. Die soziale und politische Struktur der II. Kammer und ihre Veränderungen werden von Wolfgang Schröder einleitend unmittelbar aus dem Quellenmaterial analysiert, ebenso das Gewicht des Parlaments im Herrschaftssystem, das mehrfach drastisch veränderte Wahlrecht, der "innere Zirkel" der "Wahlkammer" oder die "Hausmacht" der Abgeordneten und ihre persönlichen Verflechtungen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2001
Für Wolfgang Elz ist dieser Band weit mehr als eine bloße Fotodokumentation. Denn die Aufnahmen der Parlamentarier verraten seiner Ansicht nach viel über deren Selbstverständnis, etwa wenn auf den Porträts und Brustbildern "durchweg partriarchalisch wirkende Männer mit Bärten, die Würde und Reife signalisieren sollen", gezeigt werden. Darüber hinaus sieht der Rezensent in dem Buch ein Stück sächsischer Geschichte aufgearbeitet, etwa wenn es um die Verfassungs- und Parlamentsgeschichte geht. Auch werden seiner Ansicht nach hier einige Aspekte der Regionalgeschichte relativiert.
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