Eliseo Alberto

Die Geschichte von Jose

Roman
Cover: Die Geschichte von Jose
Kindler Verlag, Reinbek 2000
ISBN 9783463403878
Gebunden, 252 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Sybille Martin. Gott will, dass es Gott gibt. Und so nimmt die Schwindel erregende Geschichte von Jose Gonzalez Alea, einem kubanischen Emigranten in Santa Fe, ihren Lauf. Weil der ungestüme Jose aus Notwehr getötet hat, um die Ehre seiner ersten Liebe zu verteidigen, sitzt er seit seinem siebzehnten Lebensjahr im Gefängnis. Mit dreiunddreißig bekommt er die unerhörte Gelegenheit, die Strafen nicht mehr hinter den Gittern seiner Zelle abzubüßen, sondern in einem Ausstellungskäfig des städtischen Zoos ? als Exemplar der Spezies Mensch. Auch wenn die Freiheit ihm verwehrt bleibt, beginnt ein neues Leben: Jose wird zum Medienstar und Publikumsliebling, von einem Designer eingekleidet und dem Chefkoch eines Nobelrestaurants verköstigt. Er gewinnt neue Freunde, unter anderem den herzensguten Affenwärter Lorenzo. Vor allem aber verliebt sich Jose in Camila, die Zoobiologin, die seine Gefühle durchaus erwidert, sie aber nicht auszuleben wagt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.03.2001

In seiner Doppelrezension bespricht Gerri Krebs zwei endlich ins Deutsche übersetzte Romane des "begnadeten Fabulierers" Eliseo Alberto.
1.) Eliseo Alberto: "Caracol Beach" (dtv)
Bei diesem Buch kommt allerdings nicht so richtig Begeisterung auf beim Rezensenten. Anerkennend erwähnt er zwar, dass Eliseo Alberto für diesen Roman den spanischen Literaturpreis `Alfaguara` erhalten hat. Dies hält ihn jedoch nicht davon ab, das "große Stück" als "sperrig" zu bezeichnen. Auch gewinnt man den Eindruck, dass die zwar nur "anfänglich verwirrende Vielfalt" den Rezensenten während der ganzen Lektüre zu schaffen machte. Wenn der Rezensent allerdings auf Albertos Lehrmeister Gabriel Garcia Marquez zu sprechen kommt, dessen `magischen Realismus` und "Affinität zum Kino" er auch in diesem Roman wiederfindet, ist er doch zumindest beeindruckt. Ob er lieber ein Buch des Lehrmeisters gelesen hätte, bleibt jedoch offen.
2.) ders.: "Die Geschichte von Jose" (Kindler-Verlag)
Während sich der Rezensent zuvor nicht so ganz entscheiden konnte, kennt in diesem Fall seine Begeisterung keine Grenzen. Von Virtuosität der Erzählführung, die nie langweilt, ist hier die Rede und vor allem verleiht der Rezensent dieser Erzählung Albertos das Prädikat "eine der schönsten Liebesgeschichten seit langem". Dem gibt es ja wohl kaum noch etwas hinzuzufügen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.01.2001

Evita Bauer widmet sich in einer Doppelrezension zwei Romanen des kubanischen Exilschriftstellers, der heute in Mexiko lebt. Kuba sei mit Alberto ein "literarisches Juwel" verloren gegangen, urteilt sie.
1. "Caracol Beach"
Die Rezensentin ist begeistert von diesem Thriller, der den Amoklauf eines kubanischen Angola-Veteranen beschreibt, und dem sie trotz aller Brutalität und der auf Handlung ausgerichteten Erzählweise eine "literarische Dimension" attestiert. Dabei streicht sie, neben aller Tragik des Geschehens, den Hang zum "Komischen" heraus, der in dem Buch zum Ausdruck kommt.
2. "Die Geschichte von José"
Die Rezensentin lobt den Roman, der von dem Schwerverbrecher José handelt, den man im Zoo von Santa Fe zur Schau stellt und der damit zum "Medienstar" avanciert, für die Aufdeckung des "ganz normalen Wahnsinns auf unserer Seite des Käfigs". Sie preist das "filmische Erzähltalent" des Autors, das sich besonders in der Flucht Josés aus dem Zoogefängnis entfaltet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.11.2000

Geschehen tut wohl nichts in diesem der Fabel verwandten Roman. Einen Helden gibt es, der im Käfig eines Zoos sitzt, zum Individuum wird er aber, so der Rezensent Egon Schwarz, genauso wenig wie die anderen Figuren. Dafür ist das ganze ein Labyrinth aus "Vignetten, Anekdoten, Mini-Porträts", bei dem Schwarz einerseits zwar jede ästhetische Ordnungsleistung vermisst, andererseits aber sowohl den "sprudelnden Einfallsreichtum" wie die "nie versagende Formulierungskunst" zu schätzen weiß. Am besten gefällt ihm, was dem postmodernen Durcheinander dann doch zugrunde zu liegen scheint: "die unterschwellige Melodie der Verzweiflung an der modernen Welt."

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