Edmund White

Abschiedssymphonie

Roman
Cover: Abschiedssymphonie
Kindler Verlag, München 2000
ISBN 9783463403199
Gebunden, 734 Seiten, 25,46 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Benjamin Schwarz. Der lang erwartete Abschluss von Edmund Whites autobiografischer Romantrilogie nach "Selbstbildnis eines Jünglings" sowie "Und das schöne Zimmer war leer". Sechs Monate nach dem Tod seines Geliebten begibt sich der Erzähler auf eine Reise in die Vergangenheit. Er schildert seinen Werdegang als Schriftsteller, der stets zwischen Europa und Amerika hin und her pendelte, und die gesellschaftliche Selbstbehauptung als bekennender und politisch aktiver Schwuler von den sechziger Jahren bis heute: das schrille Exzessive Leben in den New Yorker Clubs, die geistreichen Gespräche in den Pariser Salons und die bewegenden Familientreffen im Mittleren Westen. Der Titel ins von Haydn entlehnt: Am Ende der Abschiedssymphonie verlässt ein Musiker nach dem anderen die Bühne, bis nur noch zwei übrig bleiben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.03.2001

Ingeborg Harms zeigt sich nicht wirklich überzeugt von diesem Roman, in dem ihrer Ansicht nach weniger eine Symphonie gespielt wird, sondern eine "Jam-Session" von nur einer einzigen Person - dem Autor selbst. Die meisten Figuren bleiben der Rezensentin zu unscharf, überhaupt herrsche das "Ornamentale" vor, gemischt mit einer Moral, die ihr bisweilen fragwürdig erscheint. Denn Whites Plädoyer für eine hierarchiefreie homosexuelle Welt, in der auch Alte und Hässliche nicht ausgegrenzt werden, scheinen ihr wie ein "Ressentiment des alterndes Autors", der - ähnlich wie Michel Houellebecq - persönliche Enttäuschung zu einer "Klassenlehre" erhebe. Auch in stilistischer Hinsicht kann Harms diesem Roman nur wenig abgewinnen: Das "manieristische Parlando, die Einsprengsel von Pathos, Eitelkeit und Kitsch" stehen für ihren Geschmack zu sehr im Vordergrund.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.12.2000

Auch Edmund Whites frühere Romane waren von autobiografischen Elementen geprägt, sein neues Buch beschreibt Meike Breitkreutz als "schonungslose Selbstoffenbarung eines `berufsmäßigen Exibitionisten`" bezeichnet. White breite hier drei Jahrzehnte schwulen Lebens aus. Somit sei das Buch nicht nur Lebensbeschreibung eines Individuums, sondern zugleich Kultur- und Sozialgeschichte. Aus der Rezension spricht Begeisterung für ein Buch, in dem die "Grenze zum Obszönen" trotz zum Teil "schockierender Details" nie überschritten werde. Breitkreuz sieht in "Abschiedssymphonie" ein Buch voller einfühlsamer Beschreibungen der Zerrissenheit vieler Homosexueller, ihre Suche nach Abenteuer und ihre Sehnsucht nach Stabilität, ihr Wunsch nach Normalität und Akzeptanz und schätzt Whites "hohe Maß an Aufrichtigkeit und Glaubwürdigkeit". Wie im Zeitraffer erscheine bei ihm die Entwicklung der Schwulenbewegung von den Anfängen der Selbstbefreiung und hart erkämpften gesellschaftlichen Akzeptanz bis hin zum abrupten Ende durch den Aids-Virus. Dasselbe Motiv findet sie auch im Mikrokosmus des Buches, denn wie im Zeitraffer sterben auch die Freunde und Bekannten des Erzählers. Assoziationen zu Haydns Abschiedssymphonie drängen sich ihm auf, berichtet sie, bei der im letzten Satz immer mehr Musiker aufstehen und der Letzte beim Verlassen der Bühne eine Kerze ausbläst.