Klappentext
Eva Herbergen, engagierte Strafverteidigerin, will sich langsam aus ihrer Arbeit zurückziehen und mit Ehemann Peter das Alter genießen. Doch die düsteren Schatten ihrer Fälle reichen bis in ihr Privatleben hinein. Elisa Hoven leuchtet juristische wie biografische Dunkelzonen aus: Sicherheit ist Illusion, ein Urteil bleibt immer nur eine Annäherung an die Wahrheit. "Feine Risse" führt ins Dickicht der Zufälligkeiten bei der Entstehung von Straftaten. Die Ursachen verstecken sich oft tief in einer Vorgeschichte - und liegen manchmal so nahe, dass sie umso leichter übersehen werden.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 19.06.2026
Mit "Feine Risse" festigt Elisa Hoven ihren Platz im Reigen der sogenannten Dichterjuristinnen und -juristen, nebst Giganten der Literaturgeschichte wie etwa Alexander Kluge oder Franz Kafka, erklärt Rezensentin Ursula März. Wie bereits im Vorgänger "Dunkle Momente" beleuchtet Hoven auch in ihrem neuen Episodenroman um die fiktive Anwältin Eva Herbergen wieder die "moralischen Grauzonen" der Juristerei, und das auf verlässlich unterhaltsame Weise, findet März. Als Juristin kann Hoven auf eigene Erfahrungen und eigenes Wissen zurückgreifen, heißt: reale Fälle, in denen Recht und Gerechtigkeitssinn auseinander klaffen, realistisch schildern, lesen wir. Als kundige Erzählerin, ausgestattet mit allen konventionellen Mitteln der Kriminalliteratur gelingt es ihr, diese Fälle zu spannenden und lebensnahen literarischen Erzählungen aufzubereiten, die nur gelegentlich und ganz genretypisch ein wenig überwürzt nach Kolportage schmecken, so die gut unterhaltene Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 13.06.2026
Ralph Gerstenberg hält den Roman der Strafrechtlerin Elisa Hovens für konstruktionsbedingt gescheitert. Die titelgebenden feinen Risse in Staat und Gesellschaft kann die Autorin mit ihrer Strafverteidigerin als Protagonistin nicht aufzeigen, bedauert Gerstenberg. Zu holzschnittartig die Figuren, zu disparat die episodisch erzählten, um Moralfragen kreisenden Rechtsfälle, findet er. Auch wenn Hovens Fachkenntnis beweist, gesellschaftspolitisch scheint der Text Gerstenberg eher unterkomplex. Und dass die Heldin in bildungsbürgerlicher Wohlstandsverwahrlosung lebt, macht sie für ihn nicht sympathischer.
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