Aus dem Italienischen von Anja Nattefort. Leda ist fast fünfzig, geschieden und Professorin für Anglistik in Mailand. Ihre erwachsenen Töchter leben mit dem Vater in Kanada, und so verbringt sie den Sommer alleine an der süditalienischen Küste. Die heißen Tage am Strand verstreichen ereignislos, bis Ledas Ruhe von einer lärmenden neapolitanischen Großfamilie gestört wird, zu der auch Nina und deren dreijährige Tochter gehören. Beim Beobachten dieser engen Mutter-Tochter-Beziehung wird Leda von ihrer Vergangenheit eingeholt, und der Leser erfährt, dass sie vor vielen Jahren um der Karriere willen ihre kleinen Kinder verlassen hat. Mit einem Mal verdüstert sich die sommerliche Ferienidylle. In einem Akt seelischer Grausamkeit nimmt Leda heimlich die Puppe des kleinen Mädchens an sich und gibt sie auch dann nicht zurück, als sie miterlebt, wie das Kind tagelang um sein Spielzeug weint.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.01.2008
Positiv hat Rezensent Martin Krumbholz diesen Roman Elena Ferrantes aufgenommen. Ausführlich rekapituliert er die Geschichte über die erfolgreiche, fast fünfzigjährige Anglistikprofessorin Leda, die sich einst für ihre Karriere von Mann und Töchtern trennte, und nun im Urlaub an der ionischen Küste Bekanntschaft mit einer glücklichen jungen Mutter und ihrer dreijährigen Tochter macht, der sie die Puppe stiehlt. Im Zentrum des Romans sieht Krumbholz die Frage, "was im Sinne einer praktischen Vernunft im Menschenleben als angemessen, was als unangemessen zu betrachten sei". Er bescheinigt der Autorin, diese Frage psychologisch subtil und jenseits aller Klischees in einen Kontext "von tiefer Symbolkraft" zu stellen.
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