Aus dem Englischen von Melanzie Walz. Mit 12 Schwarzweiß-Abbildungen. In einer Hafenstadt an der wilden Westküste Neuseelands gibt es ein Geheimnis. Und zwei Liebende, die einander umkreisen wie Sonne und Mond. Als der Schotte Walter Moody im Jahr 1866 nach schwerer Überfahrt nachts in der Hafenstadt Hokitika anlandet, trifft er im Rauchzimmer des örtlichen Hotels auf eine Versammlung von zwölf Männern, die eine Serie ungelöster Verbrechen verhandeln. Und schon bald wird Moody hineingezogen in die rätselhaften Verstrickungen der kleinen Goldgräbergemeinde, in das schicksalhafte Netz, das so mysteriös ist wie der Nachthimmel selbst.
Eleanor Cattons Roman "Die Gestirne" ist ein großartiges Werk, verkündet Wieland Freund. Ganz im Stil des viktorianischen Romans - und im vollsten Bewusstsein dieser Anleihe - lässt die Autorin kunstvoll ihren allwissenden Erzähler einen unfassbar komplexen Plot jonglieren, in dem zwölf Einwohner eines neuseeländischen Goldgräber-Dorfes einem ominösen Dreizehnten ihre verwickelten Geschichten erzählen, fasst der Rezensent zusammen. Die vollkommene Künstlichkeit dieses Romans findet sich aber in seinem Aufbau, verrät Freund: die Figuren sind Sternzeichen und Planeten zugeordnet, deren Konstellationen die Handlung widerspiegeln, während die Kapitel sich mit dem abnehmenden Mond immer um die Hälfte verkürzen, erklärt der Rezensent beeindruckt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2015
Was haben wir denn hier? Ein neoviktorianischer Roman im Stil von Wilkie Collins mit einem Personenkreis, der Sternbildern und Planeten zugeordnet ist und deren Schicksale auf der wissenschaftlichen Grundlage der Präzession basieren, informiert uns Rezensentin Felicitas von Lovenberg. Ganz grob scheint die Handlung um einen Tag im Jahr 1866 zu kreisen, "in welchem ein Fremder nach Hkitika kommt", zitiert Lovenberg aus einem Kapitelvorspann. So raffiniert und "kinematografisch" ist das ganze gebaut, dass Lovenberg der Autorin immer wieder auf den Leim geht. Am Ende ermüdet sie das Spiel jedoch: der Ehrgeiz der Autorin drängt sich ihr auf, etwas weniger Kalkül und Kontrolle hätte dem Buch gut getan, gibt sie ermattet zu Protokoll. Für ein dickes Lob an Übersetzerin Melanie Walz reicht die Kraft aber noch.
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