Edzard Reuter malt das erschreckende Bild einer Gesellschaft, deren Verantwortliche nur noch auf Machtanhäufung und Bereicherung aus sind. Anstatt ihrer Vorbildfunktion gerecht zu werden, begehen sie in der aktuellen Wirtschaftskrise Steuerflucht, kassieren Bonuszahlungen bei Rekordverlusten, manipulieren Arbeitslosenzahlen und geben falsche Wahlversprechen. Reuter prangert das unehrliche und selbstsüchtige Verhalten unserer Führungskräfte an. Der frühere Daimler-Chef plädiert für eine Rückkehr zu alten Wertvorstellungen wie Anstand und Augenmaß. Ein längst fälliges Buch über die soziale Verantwortung unserer Eliten, aber auch über die Zukunft Deutschlands.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.10.2010
Karl-Heinz Büschemann kann wenig anfangen mit dieser Abrechnung des ehemaligen Daimler-Chefs Edzard Reuter. Zwar attestiert er dem Autor, in manchen Punkten recht zu haben, etwa wenn er Rating-Agenturen kritisiert oder den Chef der Deutschen Bank. Dennoch bereitet ihm die Leküre weder große Freude noch Erkenntnisgewinn. Dass Reuter, bitter und wenig gelassen, alle und jeden - Politiker, Manager, Schulen, Hochschulen, die EU, Medien, Analysten, Investmentbanker - in die Mangel nimmt, langweilt ihn nach einigen Seiten doch ziemlich. Er wirft dem Autor Rechthaberei vor und vermisst er ein paar Zeilen darüber, wie der Autor aus eigenen Fehlern gelernt hat. Denn: hätte sich Reuter vor 15 Jahre gemeldet, um Gehaltsexzesse seines Daimler-Nachfolgers Schrempp oder den Dotcom-Wahn zu geißeln, dann hätte das Buch nach Ansicht Büschemanns vielleicht eine Wirkung erzielt. Heute aber kommt es in seinen Augen schlicht zu spät.
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